Bauer Hartmut Nuhn rechnet mit zehn bis 25 Prozent weniger Ertrag in diesem Jahr

Für die Kühe raus aufs Feld

Hartmut Nuhn

Bodes. Einmal pro Woche setzt sich Bauer Hartmut Nuhn hinters Steuer seines Autos oder Traktors und kurvt seine Felder rund um Bodes ab, um zu schauen, ob alles in Ordnung ist. Als er auf einem Stück seiner 50 Hektar großen Grünfläche anhält, steuert sein Sohn Niklas Nuhn gerade die Mähmaschine einen Hügel hinunter.

Währenddessen bückt sich der 52-jährige Landwirtschaftsmeister und greift mit beiden Händen in einen Grasberg, den der Mäher herausgefeuert hat. „Eigentlich hätten wir jetzt Anfang Juni schon den zweiten Schnitt machen müssen, aber es war zu kalt, deshalb ist es der erste“, sagt er.

Für Nuhn selbst entsteht dadurch kein besonders großes Problem. Mit 50 Hektar Grünland hat er viel Fläche, um seine 100 Kühe, Bullen, Kälber und Rinder mit Futter zu versorgen. „Für andere Bauern mit mehr Vieh ist das durchaus problematisch und es könnte sein, dass sie etwas zukaufen müssen“, sagt Nuhn und stapft über die Wiese, die noch etwas feucht ist. Seine braunen Arbeitsschuhe knicken Grasstoppeln um, sinken bei jedem Schritt in die weiche Erde, die sich an die Sohlen klebt. „Wir versuchen, uns in der momentanen Lage durchzuschlagen. Die Preise für Milch und Getreide sind sehr niedrig und irgendwo hört die Kostenminimierung auch auf.“

Das dumpfe Rattern der Mähmaschine klirrt in den Ohren. Die mannshohen Räder graben sich in die Erde, unaufhörlich sacken Halme nieder, die vorher bis zu den Knien reichten, und Grasduft dringt in alle Poren.

Der Hobby-Motorradfahrer hat am Wochenende keine freie Minute. Das Gras muss gewendet, aufgeladen und im Silo aufgeschichtet werden. Ist das erledigt, sind Nuhns Weizen und Mais an der Reihe. Dann werden Schädlingsbekämpfungsmittel aus den Düsen der Landmaschinen schießen, um die Nutzpflanzen gesund zu halten. „In diesem Jahr werden wir zehn bis 25 Prozent weniger Ertrag haben, weil es zu kalt war und Wasser gefehlt hat. Aber das ist gar nicht so schlecht, weil dann die Preise im Herbst vernünftiger sind“, sagt Nuhn.

Da von den 80 Hektar Ackerland einige Felder Nuhns am Hang liegen, betrifft auch ihn die neue EU-Verordnung zum Erosionsschutz, die das Pflügen verbieten soll. Hartmut Nuhn pflügt die Hänge aber sowieso seit 15 Jahren nicht mehr. „Ich arbeite mit Mulchsaat, da wird der Boden nur aufgelockert. Seitdem habe ich null Erosion mehr.“

Auslöser für den Umstieg war ein Unwetter gewesen, das die gesamte umgepflügte Erde samt Saatgut ins Dorf geschwemmt hatte. „In sieben Minuten war alles vorbei. So was gibt’s jetzt nicht mehr.“

Von Judith Strecker

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