Feierliche Enthüllung: Fünf Skulpturen von Kaisern und Königen an der Ruine

Die Krönung im Stift

Geschafft! Die fünfte Büste ist enthüllt. Links Bürgermeister Thomas Fehling, rechts Erster Stadtrat Dr. Rolf Göbel, die mit vereinten Kräfte und einem Schirm an den verhüllenden Tüchern zerren mussten. Fotos: Gudrun Schmidl

Bad Hersfeld. Bei strahlendem Sonnenschein - man kann auch sagen Kaiserwetter - sind am Samstag die Büsten von fünf Kaisern und Königen, die in Bad Hersfeld Station gemacht haben, enthüllt worden.

Einen Tag zuvor montierten Mitarbeiter der Firma Helmut Kraushaar die kreideweißen Fiberglasbüsten auf die vorbereiteten Fundamente. Von diesem bevorzugten Standort genießen die gekrönten Häupter nun den freien Blick auf die ehrwürdige Stiftsruine.

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Thomas Fehling ergriff der Erste Stadtrat Dr. Rolf Göbel das Wort, der dieses Projekt maßgeblich vorangebracht hat. „Warum Könige in unserer Stadt?“ Diese Frage beantwortete er zum einen mit der großen Geschichte der Abtei, die es verdient, in den Focus der Öffentlichkeit zu gelangen, und außerdem ist es wichtig, die große Vergangenheit der Stadt nutzbar zu machen. „Das ‘Via Regia’- Projekt mit dem königlichen Projekt zu verbinden, ist einmalig“. Möglich wurde dies durch eine fruchtbare öffentlich-private Zusammenarbeit. Die Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg, die VR-Bank, die Freunde der Stiftsruine und der Stadtmarketingverein sowie der Lions-Club und die Firma Rosco machten mit ihren Spenden die Anschaffung der Königsbüsten möglich.

Alle wollen Kaiser Karl

„Alle wollen Karl“. Damit es gerecht bleibt, werden Karl der Große, Konrad I., Heinrich III., Heinrich IV. und Konrad III. zu einem späteren Zeitpunkt an die einzelnen Sponsoren „verlost“. Der Historiker Dr. Michael Fleck referierte kenntnisreich und humorvoll über die „Reisekönige im Mittelalter“, die kreuz und quer durch ihr Reich zogen. Dabei haben alle wichtigen Königsgeschlechter von den Karolingern bis zu den Stauffern im Hersfelder Stift Station gemacht. Dazu gehörten Heinrich III., der als Kaiser 1040 die wieder errichtete Krypta der Klosterkirche Hersfeld weihte, oder König Konrad III., der 1144 die fertiggestellte große Klosterkirche weihte. Hier verstarb zwei Jahre später seine Gemahlin Gertrud. Diese Besuche sind allesamt ein Zeichen für die Bedeutung des Klosters. Dr. Michael Fleck benannte aber auch die königlichen Besucher, denen in Bad Hersfeld noch kein Denkmal gesetzt wurde. „Neun waren da und nur fünf wurden bisher erwähnt“. Es fehlen Ludwig der Fromme, Otto der Große, Heinrich V. und Lothar III. von Supplinburg.

An diesem Tag war das Interesse an der mit vielen anerkennenden „Aaaahs“ und „Oooohs“ begleiteten Enthüllung der ersten fünf Kaiser und Könige groß. Allerdings wurden auch Bedenken laut wegen der Haltbarkeit, verbunden mit einzelnen Wetten, wie lange die Büsten unbeschadet stehen bleiben. Diese Bedenken zerstreute Claudia Bias, Geschäftsführerin der „Creation Dekodesign“ aus Bobenheim-Roxheim, die in enger Zusammenarbeit mit einem polnischen Künstler für die Gestaltung der Königsbüsten verantwortlich ist. „Fiberglas ist wetterfest und robust. Bei Vandalismus ist die Unversehrtheit leider nicht gewährleistet“, äußerte sich die gebürtige Hersfelderin. Bürgermeister Thomas Fehling versprach, dass die Stadt alles tun wird, um die „Würdigkeit und Wertigkeit“ der königlichen Büsten als Aufwertung des Stiftes zu erhalten.

von Gudrun Schmidl

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