Boeddinghaus bezeichnet Auswahl der künftigen Hauptgeschäftsführerin als Farce

Kritik am IHK-Verfahren

Sybille von Obernitz

Hersfeld-Rotenburg. Gewählt werden soll die künftige Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg (IHK), Sybille von Obernitz, zwar erst am heutigen Mittwoch. Aber schon im Vorfeld  sorgt  diese Personalie für Zoff.  Kammerkritiker  Kai Boeddinghaus übt massive Kritik an dem „intransparenten Auswahlverfahren“.

Eine von Kammerpräsident Dr. Martin Viessmann geführte Findungskommission hatte die Vorauswahl getroffen, das Präsidium sich schließlich auf Obernitz verständigt und sie der 87-köpfigen Vollversammlung – dem Parlament der IHK – zur Wahl vorgeschlagen.

70 Kandidaten

Boeddinghaus moniert, dass der Findungskommission nie die gesamte Liste der Bewerber – es waren etwa 70 – präsentiert worden sei, und es somit bereits im Vorfeld eine Selektion gegeben haben müsse. „Durch wen auch immer“, so der Kritiker. Außerdem seien Bewerbungskriterien und Anforderungsprofil nie benannt worden. „Das Ganze ist doch eine Farce“, sagt er und spricht von einem „Versorgungsposten“.

Denn von Obernitz hat seit zweieinhalb Jahren keinen Job. Nach fast 18-jähriger, leitender Tätigkeit beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), der Dachorganisation der 80 Kammern, hatte die 53-Jährige Ende 2011 als Wirtschaftssenatorin der Bundeshauptstadt den Gang in die Politik gewagt und war nach nur neun Monaten gescheitert. Im Bemühen, die schwerfällige Wirtschaftsförderung umzukrempeln, hatte sie vielen einflussreichen Akteuren auf die Füße getreten und dabei die (partei)politischen Fallstricke in einem über Jahrzehnte gewachsenen Polit-Betrieb unterschätzt.

Boeddinghaus, der als Sprecher der Initiative „Kammer ohne Zwang“ (KOZ) agiert und hauptberuflich Geschäftsführer des Bundesverbandes für freie Kammern (BffK) ist, kündigte an, gegen von Obernitz zu stimmen. Er glaube, dass ein Teil der 16-köpfigen KOZ-Gruppe in der Vollversammlung dasselbe tun werde oder sich enthalte.

Eine von ihnen ist Steffi Weinert – zugleich Grünen-Fraktionsvorsitzende im Kreistag. Sie kritisiert insbesondere, dass die Vollversammlung erst am Donnerstag offiziell über den Präsidiumsvorschlag erfahren habe. „Außer einem kurzen Profil ist nicht viel über über Frau von Obernitz herausgelassen worden“, sagte sie.

IHK Hauptgeschäftsführer Dr. Walter Lohmeier, der zum 31. Dezember nach gut 20 Jahren auf diesem Posten in den Ruhestand wechselt, sagte zum Vorwurf des Versorgungspostens: „Das entbehrt jeder Grundlage und war zu keinem Zeitpunkt Thema“. Dass der Findungskommission nur eine Handvoll ausgewählter Kandidaten präsentiert worden sei, sei richtig. Ganz bewusst habe man es einer professionellen Personalberatung überlassen, eine Vorauswahl zu treffen und nur die Besten in die engere Wahl zu lassen.

Die Kritik, es habe kein Anforderungsprofil gegeben wies Kammersprecher Thomas Rudolph zurück: „Das stand doch alles in der Auschreibung“.

Von José Pinto

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