Forscher untersuchten Stabilität der Regionen

Krisenfestigkeit: Kreis nur Mittelmaß

Hersfeld-Rotenburg. Falls die nächste Krise kommt, ist der Landkreis Hersfeld-Rotenburg nur mittelmäßig vorbereitet. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Studie des Pestel-Instituts in Hannover. Das Forschungsinstitut, das 1975 zu Ehren des Mechanikprofessors Eduard Pestel gegründet wurde, beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Bereich Regional-, Städte- und Geimeindeentwicklung.

In der Studie, die sich sowohl mit wirtschaftlichen als auch gesellschaftlichen Faktoren auseinandersetzt, bekommt der hiesige Landkreis das Prädikat „mittlere Krisenfestigkeit“ verliehen, im gesamtdeutschen Vergleich landet Hersfeld-Rotenburg auf Rang 216 von 412 getesteten Regionen.

Stabiler als einige Nachbarn

Damit steht der Kreis stabiler da als einige seiner Nachbarn. Sowohl der Werra-Meißner- als auch der Schwalm-Eder-Kreis erhalten die Bewertung „krisenanfällig“. Der Wartburgkreis und der Landkreis Fulda werden dagegen als „eher krisensicher“ eingestuft.

Für die Statistik wurden nach Angaben des Instituts nur öffentlich zugängliche Zahlen der Landkreise ausgewertet. Insgesamt bezogen die Forscher 18 Indikatoren aus den Bereichen Soziales, Wohnen, Verkehr, Flächennutzung, Energie und Wirtschaft mit ein.

In sieben Kategorien landete der Kreis Hersfeld-Rotenburg auf einem Spitzenplatz, unter anderem in der Kategorie „Schulabbrecher“. Laut Matthias Günther, der an der Studie mitgearbeitet hat, verlassen in unserer Region nur 4,3 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss. Das bedeutet Rang 18 im bundesweiten Vergleich. Auch bei der Hausarztversorgung liegt Hersfeld-Rotenburg weit vorn. Zwischen Breitenbach und Wildeck kommt auf 1400 Einwohner ein Hausarzt. Dieser Wert könnte sich jedoch schon bald rapide verschlechtern, da die Nachfolge für viele Praxen unklar ist.

Negativ für die Region wirkt sich dagegen nach Ansicht des Instituts der hohe Anteil an Beschäftigten in der Industrie aus. „Wir haben es in der Finanzkrise gesehen: Das ist die Branche, die zuerst einbricht“, sagt Matthias Günther gegenüber unserer Zeitung.

Anstoß geben

Insgesamt will die Studie darauf hinweisen, dass nicht nur ökonomische Faktoren für die Krisenfestigkeit einer Gegend verantwortlich sind. „Wir haben nun einen Anstoß gegeben“, sagt Günther. „Was die Kreise und Städte nun daraus machen, muss sich zeigen“. (str)

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