Wie das SOS-Kinderdorf im liberianischen Monrovia die Ebola-Katastrophe meistert

Die Krise ist nicht vorbei

Sie haben das Lachen noch nicht verlernt: Die Bewohner des SOS Kinderdorfs in Monrovia beim Spielen mit dem Landesdirektor George Kordahi auf dem mit Spendengeldern renovierten Campus. Fotos: SOS-Kinderdörfer

Bad Hersfeld/Monrovia. Das SOS-Kinderdorf im liberianischen Monrovia scheint wie eine Oase des Friedens in dem von der Ebola-Katastrophe verheerten Land. Unter schattigen Bäumen spielen Kinder scheinbar unbeschwert Ball oder mit dem Springseil. Die schmucken, weißen Häuser sind frisch renoviert – ermöglicht wurde das auch mit Spendengeldern der Geistal-Schule in Bad Hersfeld.

„Zurzeit wohnen 73 Kinder bei uns im Dorf, alle sind glücklicherweise gesund, aber alle hoffen darauf, bald wieder zur Schule gehen zu können“, berichtet George Kordahi, der Landesdirektor der SOS-Kinderdörfer in Liberia. Denn aus Sicherheitsgründen sind seit Monaten alle Schulen in dem Land geschlossen. Auch das SOS-Kinderdorf wurde sofort unter Quarantäne gestellt.

„Es dürfen nur ganz wenige Menschen hinein und hinaus. Und auf die muss absolut Verlass sein, dass sie sich an die Verhaltensregeln halten“, erklärt Yassin Louay, der Pressesprecher von SOS-Deutschland. Vor allem gelte die Regel „Don’t touch! – Absolut nichts und niemanden anfassen!“

Versorgungslage stabil

Lieferungen würden vor dem Dorf abgestellt. Besuch dürfen die Kinder nicht empfangen und auch nicht zu Schul- oder Spielkameraden raus aus dem Dorf. „Das ist natürlich ganz schön langweilig“, weiß Louay. Doch durch diese strengen Regeln sei es gelungen, dass es im Kinderdorf keine Ebola-Erkrankungen gab.

So langsam scheint sich die Lage in Monrovia zu entspannen. Die Ausgangssperren wurden gelockert. Es gebe keine Unruhen und auch die Versorgungslage auf den lokalen Märkten sei stabil. Für Notfälle verfügt das Kinderdorf auch über Lebensmittelreserven.

Bislang seien aus Sicherheitsgründen noch keine Ebola-Weisen in dem Kinderdorf aufgenommen worden. Die Regierung versuche, sie bei Verwandten unterzubringen. Sollte das nicht gelingen, werden sich aber auch die SOS-Kinderdörfer um die Waisen kümmern – sobald die Ansteckungsgefahr vorüber ist, versichert Yassin Louay. Mit Sorge blicken die SOS-Verantwortlichen auf die Zukunft.

Denn selbst wenn die Seuche endlich bezwungen ist, hören die Probleme des Landes damit nicht auf. „Menschen vom Land werden auf der Suche nach Arbeit in die Städte kommen, dadurch wird die Versorgungslage immer schwieriger“, befürchtet George Kordahi. Die Preise werden steigen, die Arbeitslosenrate auch. „Und die Schulkinder haben ein ganzen Jahr verloren, das wird schwer nachzuholen sein“, sagt Kordahi – wohlwissend, dass Bildung der einzige Weg aus dem Teufelskreis der Armut ist.

Trauer um Freunde

Doch auch für die SOS-Helfer selbst ist die Ebola-Epidemie eine schwere Prüfung: „Wir alle haben Menschen verloren, die wir gekannt und geliebt haben – ganze Dörfer wurden ausgelöscht“. Die Katastrophe mache die Menschen hart, vielleicht sogar gefühllos, befürchtet Kordahi. „Doch eben das, darf nicht passieren. Wir müssen weiter helfen – und das noch für eine lange Zeit, denn die Krise ist noch längst nicht vorbei!“

Von Kai A. Struthoff

Kommentare