Hersfelder entkamen knapp dem Unglück / Keine Rücktrittswelle nach Havarie vor Italien

Kreuzfahrt endet in Alpen

Auf der Urlaubsmesse CMT in Stuttgart war gestern kaum jemand am Stand des Kreuzfahrtveranstalters Costa. In unserer Region gab es indes noch keine Rücktrittswelle nach der Havarie. Foto: dpa

Hersfeld-Rotenburg. Frank und Birgit Kimpel aus Bad Hersfeld ahnten noch nicht, was für großes Glück sie hatten, als ihr Reisebus plötzlich wendete. Eigentlich sollte er sie von Fulda nach Mailand bringen. Von dort wollten die beiden Mitarbeiter unserer Zeitung ihre Reise zum Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ fortsetzen. Doch plötzlich drehte ihr Bus in den einfach Alpen um.

„In den ersten zehn Minuten nachdem der Bus umgekehrt war, fragten einige Mitreisende nach einer versteckten Kamera“, erzählt Birgit Kimpel. Die Reisenden verstanden die Welt nicht mehr. Noch hatten sie keine Ahnung vom Ausmaß des Unglücks, das sich vor der toskanischen Küste ereignet hatte. Erst Zuhause erfuhr das Paar, dass die „Costa Concordia“ auf einen Felsen aufgelaufen und gekentert war.

Beinahe wären auch die Kimpels an Bord gewesen. Nur durch Zufall hatten sie ihren Urlaub eine Woche später gebucht. Es war wohl Vorhersehung, dass sich die beiden nicht auf dem Schiff befanden. Das unglaubliche Glück des Paares wird vollends klar als Birgit Kimpel sagt: „Unsere Kabine war auf der Seite, die jetzt unter Wasser liegt.“

Kaum Stornierungen

Dennoch wollen die Kimpels, wie auch andere von uns Befragte, auf Kreuzfahrten nicht generell verzichten. Das Kreuzfahrtgeschäft boomt, und auch die Havarie hat noch keine große Rücktrittswelle ausgelöst, wie örtliche Reisebüros berichten.

Im Reisebüro am Bad Hersfelder Rathaus buchen die Urlauber, laut Geschäftsführer Hans-Jörg Mannel, auch weiter Kreuzfahrten. Auch im Reisebüro Holiday Land in der City Galerie blieb die Nachfrage stabil. Nur ein zukünftiger Kreuzfahrer stornierte gestern seine Reise mit der „Costa Concordia“.

Der Betriebsleiter des Reisebüros Krug am Linggplatz, Norbert Lopatta, äußert sich hingegen noch zurückhaltend. Er weist daraufhin, dass man erst in den nächsten drei Tagen eine Prognose stellen kann. Er vermutet jedoch, dass andere Kreuzfahrtschiffe gebucht werden. „Es sind die Begleitumstände, die stören,“ erklärt Norbert Lopatta und weist daraufhin, dass es offenbar keine richtige Sicherheitseinweisung an Bord gegeben habe.

Das Personal sei scheinbar nicht in der Lage gewesen, die Rettungsboote richtig zu bedienen. Außerdem habe der Kapitän das sinkende Schiff viel zu früh verlassen. Offenbar habe ein Fehlverhalten des Kapitäns vorgelegen.Was genau passiert ist, können jetzt nur die Untersuchungen aufdecken.

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Kunden gelassen

Auch in Rotenburg lassen sich die künftigen Kreuzfahrer nicht abschrecken. „Die Kundschaft bleibt gelassen“, heißt es im Reisebüro Zilch. Kreuzfahrt-Kataloge waren gestern ebenso gefragt wie an anderen Tagen. Es gab auch keine Stornierungen der beliebten Schiffstouren. Das gilt auch für das TUI Reise-Center Rotenburger Reisewelt.

Oliver Schmidt konnte sogar von einem Costa-Stammkunden berichten, der gestern eine neue Kreuzfahrt gebucht hat. Es handele sich um eine renommierte Reederei, ein einzelner Kapitän habe sich falsch verhalten.

Bei Costa werde man jetzt besonders aufmerksam sein, denn ein zweiter solcher Fall wäre der Untergang für die Reederei. (mad/ ank)

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