Das Höfesterben geht weiter: Jeder Fünfte musste aufgeben

Kreis Hersfeld-Rotenburg verliert 303 landwirtschaftliche Betriebe in zehn Jahren

Hersfeld-Rotenburg. Während im Jahr 2005 im Landkreis noch 1591 landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaftet wurden, waren es 2015 nur noch 1288 – also 303 weniger.

Diese Zahlen nennt Landkreissprecher Dirk Herrmann. In der Regel seien es vor allem kleine Betriebe, die in den zurückliegenden zehn Jahren die Landwirtschaft aufgaben. Die Gründe für diese Entwicklung sind nach Ansicht des Kreisbauernverbands-Vorsitzenden Friedhelm Diegel vielschichtig.

Auch Kreislandwirt Horst Taube aus dem Bebraer Stadtteil Blankenheim spricht von „vielen Mosaiksteinen“, die zu dieser Entwicklung beitragen. Häufig gebe es schlicht keinen Nachfolger, der den Betrieb übernehmen kann oder will. Dabei mache sich besonders bemerkbar, dass es im Kreis einen großen Anteil von Nebenerwerbsbetrieben mit unter zehn Hektar Fläche gebe, ergänzt Kreisbauernverbands-Geschäftsführerin Anke Roß. Bei diesen Höfen gehe es weniger darum, ob sich die Landwirtschaft noch lohnt – die Einnahmen seien ohnehin nur Zubrot, verdeutlicht Roß. Vielmehr sei die junge Generation oft beruflich stark eingebunden oder habe weit entfernt vom elterlichen Hof einen Arbeitsplatz gefunden.

Auch höhere Auflagen, etwa in der Tierhaltung, träfen vor allem kleine Betriebe und beschleunigten das Höfesterben, sagt Friedhelm Diegel. Anstatt noch einmal größere Investitionen für Stallumbauten auf sich zu nehmen, entschieden sich kleinere Betriebe oft zum Aufhören. Zwar bleiben die frei werdenden Feld- und Wiesenflächen in der Regel nicht ungenutzt, sondern werden von anderen Landwirten übernommen, dennoch hat diese Entwicklung nachhaltige Folgen: Umweltverbände beklagen ausgeräumte Landschaften und immer größere Monokulturen. Und in vielen Ortskernen gibt es schon jetzt viel Leerstand und Bauruinen.

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Rubriklistenbild: © dpa

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