Wochenendporträt: André Balduf wollte schon als Kind Steinmetz werden – 80 Stunden Arbeit für Biber aus Quarzsandstein

Kreativität und Muskelkraft sind gefragt

Bebra. Was er später einmal werden will, das wusste André Balduf schon als Kind. „Im Kindergarten hat er allen erzählt, er wird Steinmetz, wenn er groß ist“, berichtet seine Mutter Ilona lachend. Jetzt erhielt der 27-Jährige seine Meisterurkunde als Steinmetz und Steinbildhauer.

Obwohl seine Familie einen Steinmetzbetrieb in der vierten Generation hat, war sein Berufswunsch keineswegs vorgezeichnet oder „erzwungen“. Seine Geschwister etwa hätten keinerlei Interesse an diesem Beruf gehabt. Doch für André Balduf stand schon ganz früh fest, dass er den elterlichen Betrieb irgendwann übernehmen möchte.

Erste Gravuren als Kind

„Ich bin in den Beruf reingewachsen, habe meinem Vater schon als kleiner Junge in der Werkstatt über die Schulter geschaut“, sagt der frisch gebackene Jungmeister. Die ersten eigenen Arbeiten folgten schnell, angefangen hat Balduf mit Gravuren. Sein erstes kleines „Meisterstück“ in jungen Jahren sei eine Steintafel mit dem Namen des damals verstorbenen Hundes seiner Großeltern gewesen.

Dass der Beruf des Steinmetzes oder Steinbildhauers viel mehr ist als das allgemein bekannte Erstellen von Grabsteinen, wird schnell klar, wenn man sich im Baldufschen Betrieb umsieht. Auftragsarbeiten für Fensterbänke, Treppen, Böden oder Badezimmer sind zu erledigen, aber auch ganz unterschiedliche Skulpturen fertigen die Handwerker an.

Handarbeit haucht Leben ein

Und ein Handwerk im wahrsten Sinne des Wortes ist Baldufs Job eindeutig: „Es gibt zwar Hilfsmittel und vor allem im Steinmetzbereich wird heute viel mit Maschinen gearbeitet“, erklärt der Jungmeister. Im Bildhauerbereich werde aber vorwiegend Handarbeit geleistet. „Das gibt zum Beispiel Skulpturen viel mehr Leben und ist individuell“, findet André Balduf. Neben räumlichem Vorstellungsvermögen, Geduld und Kreativität ist für den Beruf außerdem Muskelkraft gefragt. So könne es nach getaner Arbeit schon mal ordentlich Muskelkater geben. Zeichnen und rechnen können sollten Steinmetze darüber hinaus ebenfalls.

André Balduf arbeitet gerne im Freien, zum Beispiel auf dem Friedhof, doch seine eigentliche Leidenschaft sind Skulpturen – vor allem Tierskulpturen. Sein Gesellenstück war ein Frosch und auch von seinem eigenen Hund, einem Rottweiler, hat der 27-Jährige schon ein steinernes Abbild erschaffen.

Klar, dass auch das Meisterstück ein tierisches ist. Aus einem etwa 900 Kilogramm schweren Rohblock Friedewalder Quarzsandstein hat er für die Prüfung einen Biber gehauen – in 80 Arbeitsstunden, allein durch Handarbeit.

Der Biber ist das Wappentier seines Heimatortes, doch der Bebraer ist eben auch ein großer Tierfreund: „Ich habe einen Zeitungsartikel darüber gelesen, dass die heimischen Biber wieder zurück kehren, das fand ich toll und so bin ich auf die Idee gekommen.“ Es folgten die Vorstellung der Idee beim Prüfungsausschuss, ein erster Entwurf, ein Modell aus Ton, ein Probebiber und schließlich das Meisterstück.

Das möchte der 27-Jährige nun der Stadt zur Verfügung stellen, obwohl er es schon mehrfach hätte verkaufen können. Der Bürgermeister hat bereits Interesse angemeldet.

Von Nadine Maaz

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