Kratzer im Lack der wortreich-Macher

Karl Schönholtz

Negative Schlagzeilen haben am Lack des Bremer Unternehmens Petri & Tiemann gekratzt: Erst war das Vorzeigeobjekt der Science Center-Macher, das „Universum“, durch drastischen Besucherschwund in finanzielle Schieflage geraten, dann die naturwissenschaftliche Mitmach-Ausstellung „Welios“ im österreichischen Wels. Dort war nur ein Viertel anstatt der von Petri & Tiemann prognostizierten 400 000 Besucher gekommen.

Zwar sind Bremen und Wels weit weg, doch auch hinter dem Bad Hersfelder „wortreich“ steckt nicht nur die Idee, sondern auch eine Kalkulation von Petri & Tiemann. 120 000 Besucher sollten im ersten Jahr in die elf Ausstellungs-Kapitel zum Thema Kommunikation und Sprache strömen, doch von dieser wohl utopischen Annahme ist schon lange keine Rede mehr. Auch mit der auf 100 000 Gäste reduzierten Erwartung wäre man jetzt schon zufrieden.

Die bisher kommunizierten Zahlen gaben jedoch auch das nicht her. Allerdings konnte Geschäftsführer Christian Mayer da noch auf die bevorstehende besucherstarke Ferienzeit verweisen.

Wir wollen nicht unken, aber wir sind schon sehr gespannt, was das „wortreich“ zum Schuljahresbeginn über diese Entwicklung zu berichten hat.

Heimlich still und leise hat sich vor einigen Tagen der Ortsverband Bad Hersfeld des Deutschen Frauenrings verabschiedet. Die Mitglieder haben die Auflösung des Vereins beschlossen. Hintergrund: Niemand war mehr bereit, die Vorstandsarbeit zu leisten. Rettungsversuche des Landesverbandes mit einer Vorsitzenden von sonstwoher blieben erfolglos. Unter dem Strich ist das Aus für den Frauenring schon alleine wegen des nun nicht mehr stattfindenden (Kultur-) Programms ein Verlust.

Das Bemühen der Weinfest-Veranstalter um weniger Lärm war zumindest teilweise von Erfolg gekrönt. Dennoch gab es im Hintergrund wieder das übliche Grummeln einiger Anwohner. Als neueste Idee, diesem Ärger aus dem Weg zu gehen, wurde nun auch der Umzug des Festes in den Schilde-Park diskutiert (was wohl andere Probleme mit sich brächte).

Stellt sich die Frage, ob die Beschallung, die mit einer solchen Veranstaltung nun einmal verbunden ist, nicht nur auf andere Anwohner, nämlich die im Vlämenweg, verlagert würde. Und es stellt sich die weitere Frage, ob in einer lebendigen Innenstadt – egal ob im Kurviertel oder im Schilde-Park – einige wenige Festtage im Jahr nicht doch auszuhalten sind – auch wenn es geräuschvoll zugeht.

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