Wenig spektakulär und doch zukunftsweisend: Die Power-to-Gas-Pilotanlage am Eichhof

Kraftwerk im Container

Ziemlich unscheinbar und doch weltweit einmalig: In dem grünen Metallschrank im Heizungskeller des Fraunhofer/IWES-Forschungslabors verbirgt sich die Mikrogas-Turbine, die den Elektrolyseur speist. Bernd Krautkremer (rechts) vom IWES erläutert den beiden Umweltministern Lucia Puttrich und Jürgen Reinholz, wie die Technik funktioniert. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Ziemlich unscheinbar verbirgt sich die weltweit bedeutende Energie-Innovation vom Bad Hersfelder Eichhof in einem blauen Container am Rande der Forschungseinrichtung. In dem Stahlbehälter, der mit allerlei Messtechnik bestückt ist, arbeitet in einem schrankgroßen Metallkasten der Wasserstoff-Elektrolyseur, der das Biogas völlig geruchsfrei in speicherbares Methan umwandelt.

Auch Audi gibt Gas

Nebenan, im Heizungskeller des IWES-Forschungslabors, verrichtet fröhlich pfeifend die Mikrogasturbine, die die Elektrolyseur speist, ihre Arbeit. Ein wenig aufregender hätte sich der laienhafte Beobachter die weltweit erste Anlage, die dauerhaft Biogas in Methan umwandelt, schon vorgestellt. Denn tatsächlich bedeutet dieses Verfahren für die Energiewende eine kleine Revolution.

Erstmals ist es mit der mobilen Pilotanlage, die eine Leistung von 25 Kilowatt hat, am Eichhof gelungen, die Überschüsse aus der Stromproduktion von Windrädern, Solarkollektoren oder Wasserkraftwerken, dauerhaft zu speichern.

Nach Ansicht der Biogas-Experten vom Fraunhofer-Institut eröffne dies völlig neue Perspektiven. Bereits jetzt arbeiten in Stuttgart, Ibbenbüren und in der Nähe von Oldenburg weiter Anlagen, die die Forschungsergebnisse vom Eichhof weiter vorantreiben wollen. So erproben die Autobauer von Audi im niedersächsischen Werthe eine Audi-Gas-Anlage, die die Abhängigkeit von fossilen Antriebsstoffen reduzieren soll. Und auch am Eichhof werden bereits weitere Projekte geschmiedet. „Wir werden noch ganz Erstaunliches von Eichhof hören“, verspricht der Leiter des Fraunhofer/IWES Prof. Dr. Clemens Hoffmann.

Doch auch die örtlichen Landwirte sollen von den Biogas-Innovationen profitieren. „Die gute, alte Biogas-Anlage kann mit dieser Technologie wirkungsvoll das Gasnetz bedienen“, erklärt Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz. Die Landwirte erhielten dadurch neue Verdienstmöglichkeiten. Dazu müssten die herkömmlichen Anlagen entsprechende erweitert werden.

Prof. Dr. Jürgen Schmid vom IWES rechnet dabei mit Investitionskosten von etwa 1000 Euro pro Kilowattstunde. Die Aufrüstung einer durchschnittlichen Anlage würde demnach laut Schmid rund 500 000 Euro kosten und könnte 200 bis 300 Kubikmeter Biogas täglich methanisieren. „Aber noch sind diese Anlagen nicht serienreif“, sagt Schmid.

Potenzial für die Region

Bad Hersfeld Bürgermeister Thomas Fehling freut sich unterdessen besonders über die innovativen Forscher in der Kreisstadt. Er sagte unserer Zeitung, dass es bereits konkrete Pläne zur Zusammenarbeit mit den Stadtwerken gebe.

Und Fehling denkt bereits weiter: Auch das geplante Gasturbinen-Kraftwerk in Ludwigsau könnte die neue Technologie zur Rückverstromung nutzen. „Da schlummert eine enormes Potenzial für unsere ganze Region“, meint der Bürgermeister.

Von Kai A. Struthoff

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