Regisseur Volker Lechtenbrink castete männliche Statisten für „Die Drei Musketiere“

Kräftige Kerle gefunden

Nicht mehr nur Zuschauer, sondern selbst Teil des Bühnengeschehens: Für Festspiel-Fan Bady Buhle geht mit der Statisten-Rolle in Volker Lechtenbrinks „Die Drei Musketiere“ ein langgehegter Traum in Erfüllung. Foto: Spanel

Bad Hersfeld. 15 Männer stehen am frühen Montagabend vor dem Bühneneingang der Stiftsruine und scharren mit den Füßen. Pünktlich zum Probenbeginn der Bad Hersfelder Festspiele hat Volker Lechtenbrink zu einem Casting-Termin geladen – gesucht werden kräftige Herren, zwar nicht älter als 40 Jahre, aber dafür mit umso mehr Lust, als Statist in dem Abenteuer-Schauspiel Die Drei Musketiere mitzuwirken.

Weil das Wetter immer schlechter wird und Regisseur Lechtenbrink noch auf sich warten lässt, zieht die Gruppe weiter in den schützenden Orchestergraben. Mittlerweile haben sich sogar einige Frauen zu den Männern mit Schauspielambitionen gesellt. Und während oben der Regen auf die Bühne prasselt, man beisammensteht und nicht recht weiß, was man sonst sagen soll, beginnt das Rätselraten: Was Volker Lechtenbrink wohl für Ansprüche an seine Statisten stellt? Und überhaupt, das geforderte „kräftig“ lasse ja von muskelbepackt bis füllig und beleibt viel Raum für Interpretationen.

Bady Buhle, 35 Jahre alt und waschechter Bad Hersfelder, steht still inmitten der bunt zusammengewürfelten Truppe und versucht, von unten einen Blick auf die noch leeren Zuschauerränge zu erhaschen. „Jedes Jahr habe ich hier gesessen und davon geträumt, Teil des Festspielensembles zu sein“, sagt er. „Ich hoffe, dass mein Typ zum Stück passt und ich eine Rolle ergattern kann.“

Vom Fleck weg engagiert

Dann geht alles plötzlich ganz schnell. Volker Lechtenbrink betritt freundlich grüßend den schmalen Gang, winkt die kleine Gruppe hinter sich her und platziert die Schauspielanwärter vor sich auf den Zuschauerrängen. „Optisch seid ihr eine tolle Mischung“, ruft er. „Ihr habt mich überzeugt – alle sind vom Fleck weg engagiert.“

Gelöstes Lachen. „Das war ja leichter als gedacht“, sagt Bady Buhle und eilt zu Organisator Hans-Jürgen Dietz, um einen Personalienbogen auszufüllen. Ab Pfingsten wird er an fast jedem Abend auf der Bühne stehen und proben – schließlich gilt es, das vom Regisseur ausgegebene Ziel eines „hollywoodreifen Spektakels“ zu erfüllen. Welche Rolle er übernehmen wird – Baum, Mönch oder Soldat – wird sich erst später entscheiden.

Im Gegensatz zu Bady Buhle sind die drahtig gebauten Michael Maiwald und Jan Hofmann schon jahrelang Festspiel-Statisten. „Bei den Drei Musketieren dürfen wir zum ersten Mal Fechtszenen spielen“, sagt Michael Maiwald, der eigentlich Lehrer ist. „Wir sind vom Festspielfieber infiziert“, ergänzt Jan Hofmann. Und während die neuen Komparsen still wieder durch den Orchestergraben verschwinden, hört auch der Regen auf.

Von Emily Spanel

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