Sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung für 39 Jahre alten Lastwagenfahrer aus Rotenburg

Kontrollsystem überführt Dieb

Bad Hersfeld/Rotenburg. Am Ende war der Angeklagte zwar verurteilt, aber trotzdem zufrieden. Mit den Worten „Das ist schon in Ordnung so“ nahm der 39-jährige Rotenburger die Entscheidung des Bad Hersfelder Strafrichters Giebel an, der für neun Diebstähle von Diesel-Kraftstoff sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und eine Geldauflage von 900 Euro verhängt hatte.

Dabei hatte der Lkw-Fahrer die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bis zuletzt geleugnet. Wie zwischen Ende März und Mitte Juli 2010 bei gleich neun Gelegenheiten jeweils Hunderte von Litern Diesel aus der ihm überlassenen Zugmaschine einer Bad Hersfelder Spedition verschwinden konnten, dafür hatte der Angeklagte keine einleuchtende Erklärung. Insgesamt ging es um mehr als 6000 Liter, ein Schaden von rund 9000 Euro. „Da will mir einer was“, sagte er vor Gericht und verwies auf ein defektes Tankschloss, das dem berühmt-berüchtigten „unbekannten Dritten“ ein Abzapfen ermöglicht hätte.

Weil der Rotenburger privat Benziner fährt und sein Haus mit Gas beheizt, hatte auch Richter Giebel zunächst „massive Zweifel“ an der Berechtigung der Anklage.

Zum Verhängnis wurde dem Rotenburger dann ein Kontrollsystem namens „Fleetboard“, das dem Spediteur eine Fülle von Daten über seine Fahrzeuge liefert, darunter Position, Kilometerstand und Verbrauch für jeden einzelnen Laster.

Nicht unbemerkt

So stand nicht nur zweifelsfrei fest, dass die Tanks meist am Wochenende geleert worden waren, sondern auch, dass dies in acht der neun Fälle im Bebraer Industriegebiet geschehen war.

Dass der Kraftfahrer am Montag nicht bemerkt haben wollte, dass die Anzeige des erst am Freitag befüllten Tanks bis Montag verdächtig gesunken war, nahm ihm das Gericht nicht ab.

Doch beim Studium der Daten und Zahlen von „Fleetboard“ fand sich letztlich auch noch der entscheidende Hinweis: Bei zwei Gelegenheiten war der gerade erst aufgefüllte Tank schon kurze Zeit später und wenige Kilometer weiter wieder leer: Dies konnte beim besten Willen nicht unbemerkt vom Fahrer geschehen sein.

„Das ist schon deftig“, kommentierte Richter Giebel und hielt dem Rotenburger eine „massive Tatbegehung“ vor.

Von Karl Schönholtz

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