Mehr zum Thema: Pfarrer Johannes Nolte über die Einsegnung, die Wünsche der Jugendlichen und leere Kirchen

Konfirmanden geht’s nicht nur ums Geld

Freut sich über das ungebrochene Interesse der Jugendlichen: Pfarrer Johannes Nolte aus Bebra, Beauftragter des Kirchenkreises Rotenburg für Konfirmation. Foto: Schäfer-Marg

Die zurück gehenden absoluten Zahlen von Konfirmanden in den Kirchenkreisen Hersfeld und Rotenburg haben offenbar demografische Ursachen, lassen sich mit der schlichten Formel „Weniger Kinder, weniger Konfirmanden“ begründen. Pfarrer Johannes Nolte, Beauftragter für Konfirmandenarbeit im Kirchenkreis Rotenburg, hat nämlich beobachtet: „Die Konfirmation ist nach wie vor das beliebteste Fest der Volkskirche.“

Herr Nolte, Kirchen sind an Sonntag fast leer, Kindergottesdienste finden mangels Masse nicht mehr überall statt – wer lässt sich überhaupt noch konfirmieren?

Johannes Nolte: Nach einer Studie der evangelischen Kirche von Deutschland lassen sich 90 Prozent der Kinder konfirmieren. Für die Landeskirche sehen die Zahlen ähnlich aus. Bei uns im Kirchenkreis kann man sogar sagen. auf den Dörfern lassen sich alle konfirmieren, in den Städte etwa 90 Prozent der Kinder des betroffenen Jahrgangs.

Welche Gründe nennen die Jugendlichen für ihr Ja zum Fest? Geldgeschenke für den neuen Laptop? Weil alle anderen auch gehen?

Nolte: Wir sind immer wieder überrascht von den Antworten der Kinder. Da kommt ein ganz bunter Strauß zusammen. Natürlich freuen sie sich auf die Geldgeschenke. Und sie finden es toll, im Mittelpunkt zu stehen, ein Fest zu erleben, das nur für sie ausgerichtet wird. Viele wünschen sich aber direkt Gottes Segen für ihr Leben.

Können Sie es auch ablehnen, ein Kind zu konfirmieren?

Nolte: Wenn ein Kind bei den Konfirmandentreffen ständig stört und demonstrativ Desinteresse zeigt, kann man durchaus – natürlich in Absprache mit den Eltern und dem Kirchenvorstand – sagen: Du machst jetzt Pause und wir versuchen es im nächsten Jahr neu.

Wie sieht den die Konfirmandenzeit heute aus? Müssen die Kinder noch immer Gebete und Psalmen auswendig lernen, müssen sie jeden zweiten Sonntag in die Kirche gehen?

Nolte: Das handhaben die Gemeinden unterschiedlich. Ich denke, in den meisten Gemeinden versuchen die Verantwortlichen wie wir in Bebra (57 Konfirmanden gemeinsam mit dem Kirchspiel Asmushausen-Rautenhausen-Braunhausen) religiöses Wissen und Traditionen zu vermitteln und mit der Lebenswelt der Jugendlichen zu verbinden. Stures Auswendiglernen hilft niemandem. Wichtig ist es, den jungen Menschen Glaubenserfahrungen in der Gemeinschaft zu ermöglichen – und es soll auch Spaß machen. Wir überlegen, in diesem Jahr das Modell eines Gemeindepasses einzuführen. Die Konfirmanden können dann selbst entscheiden, welchen Bereich sie neben den Sonntagsgottesdiensten kennenlernen möchten. Auch Mitsingen im Gospelchor, Teilnahme am Teenkreis und besondere Jugendgottesdienste zählen dazu. Wir reagieren damit auf den verdichteten Alltag der Familien. Der Sonntagmorgen ist oft die einzige Gelegenheit, an der die ganze Familie zusammen ist. Dann fällt der Gottesdienstbesuch vielleicht besonders schwer.

Gibt es viele Jugendliche, die ungetauft in die Konfirmandenzeit starten?

Nolte: Der Anteil der Ungetauften liegt bei etwa fünf Prozent. Wir machen die Taufe zum Thema des Konfi-Tages (einmal monatlich statt wöchentlicher Unterricht in Bebra). Die Jugendlichen können dann entscheiden, ob sie in einem Gottesdienst getauft werden wollen, den die anderen Konfirmanden gestalten.

Nach der Konfirmation verschwinden die Jugendlichen meist erstmal aus der Gemeinde. Man spricht ja auch vom „Aus-der-Kirche-konfirmieren“. Wie gehen Sie damit um?

Nolte: Die Konfirmation hat durchaus einen Abschlusscharakter. Es ist das große Fest am Ende der Konfirmandenzeit. Traditionell war es auch das Fest, das den Übergang in die Erwachsenenwelt symbolisierte. Ich bin da eigentlich großherzig: Man streut den Samen. Ob er aufgeht, weiß man nicht. Aber man sollte immer das Beste in den Konfirmanden vermuten.

Von Silke Schäfer-Marg

Kommentare