Opernfestspiele 2014: Mozarts Così fan tutte folgt als zweite Neuproduktion

Die Komödie macht Ernst

Wurde zuletzt 2005 bei den Opernfestspielen in der Bad Hersfelder Stiftsruine gezeigt: Mozarts Così fan tutte. Archivfoto: Hartmann

Bad Hersfeld. Opernkennern gilt dieses Komponistenquintett als dominant: Mozart – Wagner – Verdi – Puccini – Richard Strauss. Klar, dass alle fünf bereits auf der Bühne der Stiftsruine vertreten waren - Mozart mit fünf seiner wichtigsten sieben Bühnenwerke voran. „Così fan tutte“, uraufgeführt am 26. Januar 1790 in Wien, ist die letzte der drei so genannten Da-Ponte-Opern – Lorenzo Da Ponte war der versierte Textdichter des „Figaro“, des „Don Giovanni“ und der „Così“.

„Mozart hat eine ganz große Seele“, sagte kürzlich im Interview eine junge niederländische Sopranistin, die im Salzburger „Don Giovanni“ debütierte. Die große Seele ist auch in der „Così“ zu spüren, obwohl hier Seelisches nach außen gekehrt, verhandelt, ja verwettet wird: die Treue der Frauen. So machen es alle mit der Treue oder Untreue – italienisch „Così fan tutte“.

Ob nun tatsächlich in Wiener Hofkreisen damals passiert oder anekdotisch und einigermaßen frivol erdacht - hier macht die Komödie Ernst. Sechs Personen suchen ihren Platz im Gefühlslaboratorium des Partnertauschs: der eingefleischte Skeptiker Don Alfonso, Drahtzieher der Treueprobe, seine Assistentin, das ziemlich leichtfertige Kammermädchen Despina, und zwei Paare als „Opfer“. Die jungen Offiziere Ferrando und Guglielmo sind verlobt mit den beiden vornehmen Schwestern Dorabella und Fiordiligi.

Wette um die Treue

Alles prima. Doch Alfonso schießt quer: Mit der Treue der Frauen sei es wie mit dem arabischen Phönix, von dem jeder sagt, es gebe ihn, obwohl keiner ihn je gesehen hat. Eine Wette um ein hübsches Sümmchen soll, so oder so, den Beweis liefern. Man fingiert eine Einberufung der beiden Offiziere. Schmerzlicher Abschied von den Bräuten, die sich flugs von zwei einzuquartierenden „Albanern“ umgarnt sehen (natürlich den verkleideten Offizieren).

Krieger kehren zurück

Es kommt, wie es kommen muss: Nach mancherlei Widerstand fallen die weiblichen Treuefestungen. Da kehren die vorgeblichen Krieger zurück, große Aufregung, denn der Heiratsvertrag mit den beiden Neuen liegt schon parat.

Doch eine Komödie – Dramma giocoso, heiteres Drama, lautet die Gattungsbezeichnung – hat gut auszugehen. Man erklärt sich, versöhnt sich, die Liebe hat gesiegt, doch Alfonso hat die Wette gewonnen.

Dass am Ende die richtigen, nämlich die ursprünglichen Paare zusammen sind, das stellt Mozarts Musik sehr in- frage. Sie folgt nicht den infamen Betrügereien der Handlung. Sie bewahrt ihre emotionale Aufrichtigkeit, ihre unvergleichliche Schönheit. Etwa in Fiordiligis Rondo „Per pietà, ben mio, perdona“ (zweiter Akt), das im Gestus stark an eine andere Bitte um Verzeihung erinnert, die des Grafen an seine Ehefrau im „Figaro“-Finale.

Mozarts Musik kann nicht lügen, sie hat eben eine „große Seele“. Komponiert im Jahr der Französischen Revolution und bezeichnet mit dem Untertitel „La scuola degli amanti“ (Die Schule der Liebenden), erteilt diese oft verkannte Oper uns die Lehre, dass die Naivität der Gefühle zwar verloren, ihre Wahrheit deshalb aber umso notwendiger ist.

Von Siegfried Weyh

Kommentare