Mehrarbeit für Kämmereien – Boehmer: „Organisierter Irrsinn“

Kommunen ächzen unter Eröffnungsbilanz

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Gruppenbild mit Aktenordnern: Wilfried Herzberg (links), Fachbereichsleiter Finanzen bei der Stadt Bad Hersfeld, und vier der sechs Mitarbeiter, die während der vergangenen zwei Jahre die Eröffnungsbilanz erarbeitet haben. Anke Hofmann, Esther Thielmann, Corinna Nuhn und Torsten Ziem (von links) haben in 6700 Stunden rund 11 600 Positionen zusammengetragen. Nicht auf dem Bild sind Sabine Kleber und Hermann Höfer, dafür rechts Bürgermeister Hartmut H. Boehmer, der das gedruckte Ergebnis präsentiert.

Hersfeld-rotenburg. Der Landkreis hat sie, die Stadt Bad Hersfeld auch und Breitenbach am Herzberg als eine von ganz wenigen Landgemeinden: die vom Land Hessen vorgeschriebene Eröffnungsbilanz über das kommunale Vermögen.

Doch der Großteil der Kämmereien landauf landab ist mit der zusätzlichen Arbeit überfordert und hängt bei der Erstellung des Zahlenwerks weit hinterher. In Haunetal hat das Gemeindeparlament wegen der fehlenden Bilanz gerade den Haushalt 2010 abgelehnt.

„Wir sind dran,“ sagt der Heringer Bürgermeister Hans Ries, in dessen Kämmerei zwei eigene Kräfte die Bilanz erstellen. „Wenn wir fertig sind, sind wir fertig,“ lässt sich Ries nicht unter Druck setzen. Wenn die Bilanz schneller erstellt werden soll, sei dies nur mit externer Hilfe möglich. „Und das kostet dann“, sagt der Bürgermeister.

Die Stadt Bebra hat nach Angaben ihres Kämmerers Maik Rehn „das Ziel vor Augen“. Bis August will man fertig sein. Bebra erstellt die Bilanz mit „zweieinhalb“ eigenen Leuten, hat sich jedoch einem Gemeinschaftsprojekt angeschlossen.

„Wir machen alles im Hause“, sagt der Rotenburger Bürgermeister Manfred Fehr und rechnet vor, dass drei Mitarbeiter ein Jahr lang ausschließlich mit der Bilanz beschäftigt sind. Fertig sind sie noch nicht, es fehlen Daten und Bewertungen.

In Bad Hersfeld hat ein siebenköpfiger Arbeitskreis aus dem Fachbereich Finanzen mehr als zwei Jahre an der Bilanz gearbeitet, die gerade dem Stadtparlament vorgelegt wurde. Bürgermeister Hartmut H. Boehmer spricht im Zusammenhang mit der aufwendigen doppischen Haushaltsführung – der sich Bad Hersfeld wie auch Heringen nach wie vor verweigern – von „organisiertem Irrsinn“.

Beim Landkreis war im Fachdienst Finanzen eine zehnköpfige Kernmannschaft ein Jahr lang mit der Bilanz zum Stichtag 1.1.2006 beschäftigt. Mit den Vorarbeiten hatte man in einer Projektgruppe bereits 2003 begonnen.  zum tage, hintergrund, lokalseite 3

Von Karl Schönholtz

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