Brief aus Bad Salzungen

Kommt der vollautomatische Supermarkt oder nicht?

Liebe Leserinnen und Leser im Hersfelder Land, das Rätselraten um die vollautomatischen Supermärkte, die derzeit wie Sauerbier in der Region angepriesen werden, geht weiter.

Seit dem vergangenen Jahr sind in Kommunen der Region Mitarbeiter der IVVB-GmbH mit Sitz in Hannover unterwegs, um für eine neue Geschäftsidee zu werben: Begehbare Supermarkt-Automaten, in denen sich die Einwohner der Dörfer der Region mit Lebensmitteln und Drogerieartikeln versorgen können. In Polen konnten sich Lokalpolitiker jetzt auf einem Betriebsgelände einen Prototypen dieser begehbaren Supermarktautomaten anschauen. Der Bürgermeister von Hörschelberg-Hainich war dort und zeigte sich positiv überrascht. Der Container sei ein „qualitativ hochwertiges Produkt“ und biete Platz für 1200 Waren des täglichen Bedarfs. „Außer Alkohol und Zigaretten“, berichtet der Bürgermeister. Betreten werden könne der Markt, der komplett ohne Verkaufspersonal auskommen soll, mit Hilfe des Smartphones. Auch das Bezahlen werde über das Handy erledigt.

Beim Vor-Ort-Termin seien zwei Männer dabei gewesen, die sich als Handelsvertreter von Rewe und Rossmann vorgestellt hätten. Die beiden Handelsketten allerdings wissen davon nichts. „Begehbare Supermarktautomaten sind auch für Rossmann Polska definitiv keine Option“, schreibt Rossmann-Pressesprecher Stephan-Thomas Klose. „Es bleibt Unsinn und ist definitiv falsch“, meint Thomas Bonrath, Pressesprecher der Rewe-Group.

Auch zwei Thüringer Ministerien haben sich bereits mit dem Thema befasst. So hat sich die IVVB GmbH an das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie mit der Frage gewandt, ob die Verkaufsstelle an Sonn- und Feiertagen geöffnet haben darf. Dies fällt jedoch in den Zuständigkeitsbereich des Ministeriums für Inneres und Kommunales. Für die Frage, ob die automatisierten Verkaufsstätten auch an Sonn- und Feiertagen betrieben werden dürfen, ist das Thüringer Feiertagsgesetz heranzuziehen.

Der Firma hat man erörtert, welche Grenzen dem Vorhaben entgegenstehen: Sonn- und gesetzliche Feiertage sind von Verfassung wegen als Tage der Arbeitsruhe freizuhalten.

In der Moorgrund-Gemeinde, in der der Gemeinderat Anfang des Jahres Grundstücke in den Ortsteilen Möhra, Witzelroda und Gumpelstadt zur Verfügung gestellt hatte, wartet man immer noch auf die Vertragsunterlagen, die bis spätestens Ende März zugegangen sein sollten.

Es bleibt also spannend: Was steckt wirklich hinter dem Projekt und wird jemals ein vollautomatischer Supermarkt in der Region stehen?

susanne.moeller@stz-online.de

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