Expertenrunde zur Gesundheitsversorgung kritisierte aktuelle medizinische Situation

Kommerz kontra Mensch

Groß war das Interesse am Expertengespräch zum Thema Gesundheitsversorgung, zu dem der Finanzdienstleister AWD eingeladen hatte. Zu den Experten gehörten auch Dr. Martin Ebel (2.v.r.), PD Dr. Rüdiger Volkmann (3.v.r.), Holger Seese (4.v.r.) und Reinhold Iffert. Foto:  Zacharias

Bad Hersfeld. Jeder Steuerzahler muss in 40 Jahren nicht nur sein eigenes Einkommen erwirtschaften, sondern auch noch einen Rentner finanzieren, wenn die Bevölkerungsentwicklung so weitergeht, wie bisher. Dr. Rolf Wiswesser, Vorsitzender der Geschäftsführung des Finanzdienstleisters AWD Deutschland, sieht deshalb die private Vorsorge als einen wesentlichen Faktor, damit auch in Zukunft die Alters- und Gesundheitsversorgung noch funktionieren kann.

AWD Bad Hersfeld hatte am Montagabend zum Thema „Mammut-Aufgabe Gesundheitsversorgung. Prävention versus Kostenexplosion“ zu einem Expertengespräch in die Stadthalle eingeladen, das von Ina Rumpf vom Hessischen Rundfunk moderiert wurde.

Doch nicht nur finanziell werden die Menschen in Zukunft noch stärker gefordert sein. Viele Krankheiten entstehen bei richtiger Vorsorge gar nicht erst oder sind in ihren Auswirkungen weniger schlimm. Gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung sollten deshalb als notwendige Präventionsmaßnahmen schon im Kindergartenalter vermittelt werden. In diesem Punkt waren sich sowohl die Besucher der Veranstaltung als auch die Experten einig.

Er sei ein wenig neidisch auf die Zahnärzte, gestand Dr. Joachim Schuchert, Leiter der Orthopädie am HKZ in Rotenburg. Ihnen sei es gelungen, Prävention durch Zähneputzen wirklich schon bei Kleinkindern zu verankern.

Mündige Patienten gefragt

Vermehrt gefragt ist in Zukunft auch der mündige Patient, der umfassend über seine Gesundheit, beziehungsweise seine Krankheiten informiert ist und aktiv an deren Heilung mitwirkt. Das Anspruchsdenken, jedes Medikament und jede mögliche Behandlung haben zu wollen und auch bei der 95-Jährigen noch auf einem lebensrettenden Notarzteinsatz zu bestehen wird ebenfalls schwer zu halten sein, wurde aus der Diskussion und in dem abschließend gemeinsam verabschiedeten Kommuniqué deutlich.

Allseits kritisiert wurde das derzeitige kommerzialisierte Gesundheitswesen, das Ärzte zunehmend unter zeitlichen und finanziellen Druck setzt, das Patienten zu Kunden macht, sie aber nicht mehr als Menschen in den Mittelpunkt stellt und das mit überbordender Bürokratie, deren Sinn oft nicht nachvollziehbar ist, für allgemeine Unzufriedenheit sorgt. Ein Hausarzt muss zum Beispiel auf eigene Kosten einen mehrtägigen Kurs besuchen, bevor er einen Antrag auf einen Antrag für eine Reha-Maßnahme für einen Patienten an die Kasse stellen darf, berichteten Dr. Malakzay aus Bebra und Dr. Martin Ebel aus Bad Hersfeld

Natürlich ging es immer wieder auch ums Geld, um eine angemessene Bezahlung für Ärzte und Pflegepersonal, um Einsparmöglichkeiten durch eine patientenorientierte Medizin und auch um die private Vorsorge. Alt werden, so machte Dr. Martin Ebel zum Abschluss Mut, müsse nicht automatisch auch krank werden bedeuten. Durch Gesundheitsbewusstsein könne man sich Perspektiven schaffen.

Von Christine Zacharias

Kommentare