Festspieler: Jonas Minthe (D’Artagnan) spielt zum ersten Mal in der Stiftsruine

„Könnte die Welt erobern“

Bad Hersfeld. Für Jonas Minthe könnte es gerade kaum besser laufen. „Das ist ein absoluter Traum“, freut sich der 23-Jährige. Frisch von der Schauspielschule und mit einem festen Engagement am Theater Bonn in der Tasche, steht er den Sommer über als D’Artagnan im Stück „Die drei Musketiere“ auf der Bühne der Stiftsruine.

Neues Gesicht auf der Festspielbühne: Jonas Minthe ist demnächst in „Die drei Musketiere“ als D’Artagnan zu sehen – und in fast jeder Fechtszene dabei. Foto: Maaz

Als Schauspieler ist der sympathische junge Mann mit der wuscheligen Frisur zum ersten Mal in Bad Hersfeld, als Zuschauer war er schon zwei Mal in der Ruine. Denn dort hat bereits sein Großonkel Stefan Reck gespielt, der 2011 auch mit dem Zuschauerpreis ausgezeichnet wurde. „Das wäre echt ne Nummer, einmal hier zu spielen“, habe er schon damals gedacht. „So eine Bühne und so eine Zuschauerkulisse hat man wohl in keinem anderen Theater.“ Überhaupt seien die Festspiele ein Gesamtkunstwerk, das Ensemble sei wie eine große Familie, man lache gemeinsam und weine gemeinsam.

Helge Schneider gesungen

Mit seinem jetzigen Engagement habe Stefan Reck aber nichts zu tun, das ist Minthe wichtig zu betonen. „Ich habe ihm auch erst davon erzählt, als ich die Zusage hatte“, so der 23-Jährige. Die Rolle des D’Artagnan hat der gebürtige Mainzer sozusagen auf den letzten Drücker bekommen. Erst drei Tage vor dem Vorsprechen habe er Intendant Holk Freytag am Telefon gefragt, ob er kommen dürfe. Zum Lachen habe er diesen dann mit dem Lied „Der Meisenmann“ von Helge Schneider gebracht. Gleich am nächsten Morgen kam das „Ja“.

„Für mein Alter gibt es wohl kaum eine tollere Rolle zu spielen“, freut sich der 23-Jährige, der einer der jüngsten im Festspielteam ist. „Das passt wie die Faust aufs Auge.“ Denn sein Bühnencharakter stehe an einem ähnlichen Punkt im Leben wie er selbst.

Dabei wundere er sich manchmal, welche Rollen ihm im Fernsehen und beim Film so angeboten werden. „Häufig bin ich der sympathische Kriminelle“, sagt Minthe lachend, der sich eigentlich als positiven und lebensbejahenden Menschen sieht. Den Reiz des Theaters mache die Unmittelbarkeit aus und das gute Gefühl, die Zuschauer für eine Weile aus ihrem stressigen Alltag zu entführen. Im TV und im Kino erreiche man zwar ein größeres Publikum, Theaterspielen sei aber definitiv die größere Kunst.

Für seine Rolle als D’Artagnan trifft es sich gut, dass Minthe auch privat sehr sportlich ist. Denn für die vielen Fechtszenen muss der 23-Jährige topfit sein. „Das ist eine unglaubliche Herausforderung. Aber die Fechtszenen machen auch richtig Spaß.“ Als Familienmensch freut es Minthe besonders, dass sich für seine Zeit in Bad Hersfeld bereits zahlreiche Verwandte und Freunde angekündigt haben, einige werden ihn zum ersten Mal auf der Bühne erleben. „Das bedeutet mir sehr viel“, so Minthe, der drei jüngere Schwestern hat.

Traumjob

Allzu viel Freizeit bleibt zwischen den Proben zwar nicht um die Stadt kennenzulernen, aber zwei Lieblingsrestaurants hat der 23-Jährige schon. Wenn er demnächst beim Bäcker angesprochen wird, ist das für ihn kein Problem, im Gegenteil.

Dem Mainzer ist es aber auch wichtig, nicht nur als Schauspieler betrachtet zu werden, sondern als Jonas Minthe, als Mensch. „Es ist ein Traumjob, aber es gibt noch mehr im Leben.“ Dass es für ihn derzeit beruflich so gut läuft, macht den 23-Jährigen trotzdem glücklich: „Ich habe momentan das Gefühl, die ganze Welt erobern zu können – ähnlich wie D’Artagnan.“

Von Nadine Maaz

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