Chor der Modell- und Gesamtschule Obersberg wurde im hohen Norden bei drei Konzerten gefeiert

Sie können’s auch norwegisch

Vor der atemberaubenden Kulisse der Stadt Bergen zeigen sich die Chorsängerinnen und -sänger aus Bad Hersfeld während ihrer Norwegen-Reise. Foto: Dirk von Sierakowsky

Bad Hersfeld. Wenn über 1500 Kilometer von Bad Hersfeld entfernt mitten in Norwegen die Zuhörer einen deutschen Chor mit tosendem Applaus feiern, muss sich etwas Besonderes ereignet haben: „De Naere Ting“ - eines der populärsten norwegischen Volkslieder – hatten die Schülerinnen und Schüler des Chores der Modell- und Gesamtschule Obersberg in wochenlanger Vorbereitung in der Originalsprache einstudiert und nun im Opernhaus von Nordfjordeid, der größten Stadt im Nordfjord, vorgetragen.

Das kam an und war mehr als nur eine Geste. Es war ein musikalisches Gastgeschenk, das unter die Haut ging. Zuvor hatten die Waldhessen einen Querschnitt ihres umfangreichen Liedrepertoires gezeigt und dabei festgestellt, dass sie auch ohne Heimbonus mit ihrer faszinierenden Mischung aus traditionell Geistlichem und internationaler Volksmusik das Publikum begeistern können. Das ungewöhnlichste von insgesamt drei Konzerten fand im Übrigen ganz am Ende der Reise statt: im großen Entertainmentsaal der riesigen Fähre „MS Bergensfjord“.

Auf Einladung der „Eid vidaregåande skule“ hatten die 70 Sängerinnen und Sänger von Ulli Meiß letzte Woche ihre Koffer gepackt und waren nach Skandinavien aufgebrochen (die HZ berichtete). Dort präsentierte sich ihnen eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch: riesige, unberührte Wälder und beeindruckende Berg- und Seenlandschaften, die es mit dem Bus und per pedes in der Freizeit zu erkunden galt. Atemberaubende Höhepunkte waren der Besuch des gigantischen Briksdalgletschers mit seinen bis ins Tal reichenden Eisarmen sowie die zweistündige Schiffsfahrt im berühmten Geirangerfjord. Kulturell interessant waren vor allem die Jugendstilstadt Alesund und die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Hafenstadt Bergen, die sich beide idyllisch in die Inselwelt der Fjorde einfügen.

Eine besondere Herausforderung dieser unvergesslichen Konzertreise stellte die Unterbringung dar. Da für einen solch großen Chor nicht genügend Gastfamilien zur Verfügung standen, musste Bad Hersfelds musikalischer Botschafter Nr. 1 Quartier in der zur norwegischen Marine gehörenden Firda-Kaserne beziehen und sich selbst verpflegen – zwischen vollem Sightseeing- und Musikprogramm eine wahre Herkulesaufgabe, die mit einer logistischen Meisterleistung gelöst wurde.

Etwa 25 im Busanhänger verstaute große Kisten mit Lebensmitteln wurden mit in den hohen Norden genommen und nach einem sorgfältig ausgetüftelten Organisationsplan von unermüdlich arbeitenden Schülerhänden zu allerlei Delikatessen verkocht. Spaß- und Genussfaktor 100 Prozent, wie Mitorganisatorin Silke Pfannkuch und „Küchenchef“ Jens Junek berichteten.

Sorge hatten die fleißigen Chorsänger nur in einem Punkt: dass ihre Eltern etwas von diesen bisher versteckt gehaltenen haushälterischen Fähigkeiten mitbekommen würden … Was nicht in die hungrigen Mägen ging, hat man im Übrigen wieder mit nach Hause genommen und will es der Bad Hersfelder Tafel spenden.

Von Martin Gellert

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