Wir können uns das leisten

Kai A. Struthoff

Keine Sorge, wir können uns das leisten! Wie oft haben wir diesen Ausspruch von Bad Hersfelds Alt-Bürgermeister Boehmer gehört. Und tatsächlich haben wir uns vieles geleistet: Den wunderbaren Schilde-Park mit „wortreich“, den schönen Kurpark mit Kurhaus und Trinkhalle, die Amazon-Ansiedlung – alles Projekte zum Wohle der Stadt und zum Nutzen der ganzen Region. Dass dabei aber anderes auf der Strecke geblieben ist, muss der neue Bürgermeister Thomas Fehling jetzt schmerzlich feststellen. Er findet einen Investitionsstau und Überstundenberge vor, die er abbauen muss. Gewiss, von einem guten Chef wird erwartet, dass er Prioritäten setzt und sein Personal zu Höchstleistungen treibt. Das hat Boehmer getan. Gleichwohl bleibt Fehling jetzt kaum Raum, um eigene Pflöcke einzurammen.

Boehmers Mehrheitsbeschaffer von SPD und FWG müssen sich aber schon die Frage gefallen lassen, warum sie sehenden Auges zugelassen haben, dass der Alt-Bürgermeister so wirtschaftet. Und wo war eigentlich die Opposition, die jetzt beklagt, das Personal sei „ausgequetscht worden wie eine Zitrone“? Hat das keiner gewusst?

Boehmer hingegen, von der Bürde des Bürgermeisteramtes genesen, macht inzwischen wieder mächtig Wind und agiert dabei wie eh und je: Er treibt die Entscheider mit konkreten Plänen vor sich her, wo die noch Gutachten schreiben.

In Rotenburg haben unterdessen die Vorbereitungen für die Zeit nach der Bundeswehr begonnen. Am Runden Tisch sind einige interessante Ideen geboren. Eine wichtige Rolle spielt dort auch das HKZ, das neben der Landesfinanz- und Verwaltungsfachhochschule nun der letzte Leuchtturm der Stadt ist.

Am HKZ hofft man im Nachgang der Bundeswehr-Entscheidung auf bessere Chancen im Tauziehen mit dem Klinikum um die psychosomatischen Akutbetten, über die die Gesundheitskonferenz Ende November entscheidet. Verständlich – aus Rotenburger Sicht.

Verständlich aber auch, dass das Klinikum keine Konkurrenz in einem weiteren Medizinfeld zulassen möchte. Der Kampf um Patienten ist hart genug, die Gewinnmargen sind schmal. Das wissen die Manager in beiden Kliniken.

Es ist also letztlich eine politische Entscheidung, die hier zu fällen ist. Wie kann man Rotenburg stärken, ohne dabei andere zu schwächen? Jetzt ist kluges Agieren der Politik gefordert. Der Kreis wäre gut beraten, wenn er dabei an einem Strang ziehen würde. Denn weiteren Streit und eine weiteres Schwächung – das können wir uns nicht leisten!

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