Französischer Fotograf Hervé Champollion lebte in den 1950er-Jahren in der Badestadt

Wie Könige in Allendorf

Vor der Tanke: Friedhelm Fett, Frauke Gottsleben-Kühnl und Hervé Champollion (von links). Champollion hält ein Bild von dem Fenster, vor dem er steht aus den 1950er Jahren in der Hand. Foto: Vorrath

Bad Hersfeld/ Bad Sooden-Allendorf. Hervé Champollion ist Franzose und Fotograf. Er lebt in Paris. Dort traf er 2007 Friedhelm Fett, einen gebürtigen Eschweger der als Journalist und Fotograf arbeitet und heute in Bad Hersfeld lebt. Sie kamen ins Gespräch und fanden heraus, dass der Werra-Meißner-Kreis sie verbindet. Champollion verbrachte als kleiner Junge viele Monate in Bad Sooden-Allendorf. Heute eröffnen die beiden eine gemeinsame Fotoausstellung in Bad Hersfeld.

„Ich habe als kleiner Junge an der Tankstelle an der Eschweger Landstraße geholfen“, erinnert sich der 60-jährige Champollion an seine mehrmonatigen Aufenthalte in den Jahren 1957 und 58. Natürlich arbeitete der damals Vierjährige nicht wirklich für Tankstellenbetreiber Fritz Gottsleben. „Die meiste Zeit haben wir gespielt und hin und wieder die Benzinpumpe für die Kunden bedient.“

Gottsleben war zu der Zeit Bürgermeister in Bad Sooden-Allendorf. Er nahm Hervé Champollion und seine Schwester Ginou auf. „Der Kontakt kam über einen Bekannten meiner Mutter zustande“, sagt Champollion. In Paris lebten die Champollions mit ihrer Großfamilie in einer kleinen Wohnung. Für die Kinder waren die Besuche in Deutschland befreiend. „Wir lebten wie die Könige.“

Fritz Gottlebens Tochter Frauke hat mittlerweile die Tankstelle übernommen und kannte die französischen Geschwister nur aus Erzählungen: „Meine Eltern nannten sie Prinz und Prinzessin.“ Mit kleinen Koffern seien sie in Bad Sooden-Allendorf angekommen. „Meine Eltern gaben ihnen Wäsche und schickten sie in den Kindergarten.“

Hervé Champollion kann sich noch gut an die Zeit in der Badestadt erinnern: „Wir haben viel Zeit auf dem Spielplatz am Solebad verbracht.“ Auch die Salinen erkundeten die französischen Geschwister mit ihren deutschen Freunden. Natürlich lernten die beiden auch die deutsche Sprache. Zurück in Paris mussten sich Hervé Champollion und seine Schwester erst wieder einleben. „Wir hatten unsere Muttersprache fast verlernt.“ Auf dem Schulhof in Paris stachen die beiden nicht nur sprachlich heraus: „Unsere deutschen Lederhosen waren ein Blickfang.“

Von Jonathan Vorrath

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