Reaktionen aus der Region auf den überraschenden Rücktritt des Bundespräsidenten

„Köhler schadete Hersfeld“

Bundespräsident Horst Köhler besuchte 2008 die Bad Hersfelder Festspiele. Er wurde von Bürgermeister Boehmer vor dem Rathaus begrüßt (oben links), trug sich ins Goldene Buch ein (unten rechts), genoss gemeinsam mit seiner Gattin und Ministerpräsident Roland Koch das Bad in der Menge (unten links) und gab unserer Zeitung nach der Premiere ein Exklusiv-Interview (oben rechts).

Hersfeld-Rotenburg. Kaum eine Woche nach dem überraschenden Rücktritt von Ministerpräsident Roland Koch erschüttert der nächste politische Paukenschlag die Republik. Bundespräsident Horst Köhler ist gestern nach seinen umstrittenen Äußerungen über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr zurückgetreten.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth wertete den Rücktritt als „konsequente Entscheidung“. Die eigentliche Kraft eines Bundespräsidenten liege in der Rede, doch diese Kraft habe Köhler nur viel zu selten wirkungsvoll einsetzen können. Er habe sich in wichtigen Fragen zu wenig zu Wort gemeldet.

„Köhler ist mit diesem Amt nie richtig warm geworden“, meint Roth. Ein Bundespräsident dürfe nicht nur lächeln, sondern er müsse Diskussionen anstoßen. Das Thema Afghanistan sei zwar wichtig, mit seinen Äußerungen habe er aber „völlig unrecht“ gehabt. „Der Einsatz in Afghanistan hat mit wirtschaftlichen Angelegenheiten nichts zu tun“, stellt Roth klar. Im Vergleich reiche Köhler an viele seiner Vorgänger nicht heran. Darüber, ob nun die SPD-Kandidatin für das Amt, Gesine Schwan, eine neue Chance bekomme, wollte Roth nicht spekulieren. Er könne sich in schwieriger Zeit aber auch einen überparteilichen Kandidaten vorstellen.

Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt (CDU) erklärte gegenüber unserer Zeitung: „Der plötzliche Rücktritt von Bundespräsident Köhler hat mich sehr betroffen gemacht. Er kam völlig unverhofft und war damit umso einschneidender.“ Deutschland verliere mit Köhler einen Präsidenten, der sich große Achtung und großen Respekt erworben habe. „Wir verlieren einen Mann des Ausgleichs und der Besonnenheit. Und wir verlieren einen wertvollen Mitgestalter für Politik und Wirtschaft in unserem Lande“. Schmidt hofft, dass man eine ebenso respektable und kluge Persönlichkeit in seiner Nachfolge finden wird.

Bad Hersfelds Bürgermeister Hartmut H. Boehmer äußerte spontan seine Überzeugung, dass Köhler mit seinen Äußerungen der Bundesrepublik „schwer geschadet“ habe. Auch dass der Bundespräsident im vergangenen Jahr die Schirmherrschaft der Bad Hersfelder Festspiele abgab, hat ihm der Rathauschef nicht verziehen. Aus Respekt vor der Amt hatte er sich dazu jedoch bislang nicht geäußert. Jetzt aber sagte Boehmer: „Auch Bad Hersfeld hat er schweren Schaden zugefügt. Ich bin sogar heilfroh, dass Köhler zurückgetreten ist, denn ich habe manches, was er in letzter Zeit von sich gegeben hat, nicht mehr verstanden.“

Herbert Höttl, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion meinte, Horst Köhler hab sein Amt mit großer nationaler und internationaler Anerkennung geführt. „Er war ein Präsident mit hohem wirtschaftlichem Sachverstand und bei den Bürgern äußerst beliebt. Ich bedaure den Schritt Köhlers, dessen Äußerungen im Zusammenhang mit seinem Besuch in Afghanistan wohl deutlich missverstanden wurden. Der Rücktritt beweist zwar den hohen Anspruch, den er an sein Amt stellt. Ich persönlich halte den Schritt für eine Überreaktion.“

Thorsten Bloß, Vorsitzender der CDU Hersfeld-Rotenburg glaubt, dass sich Bundespräsident Köhler während seiner Amtszeit als überlegter und bedachter Staatsmann gezeigt habe. „Die Wortwahl und der Bezug zu Afghanistan waren unglücklich und wurden im Nachgang präzisiert. Dies ist so jedoch nicht zur Kenntnis genommen worden. Vielmehr habe ich den Eindruck, dass einige Politiker Bundespräsident Köhler missverstehen wollten und billigend in Kauf genommen haben, ihn, unser Staatsoberhaupt, zu beschädigen.“

Dies sei beschämend und zeige das niedrige Niveau dieser Politiker. „Ich bedaure seinen Rücktritt sehr“, unterstrich der CDU-Kreisvorsitzende.

Von Kai A. Struthoff, Karl Schönholtz und Manfred Schaake

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