Bad Hersfeld liest ein Buch: HZ-Interview mit dem Autor von „angerichtet“

Koch: Fühle mich geehrt

Zum Abschluss der Aktion „Bad Hersfeld liest ein Buch“ war Herman Koch (Mitte), Autor des Familiendramas „angerichtet“ zu Gast in Bad Hersfeld. Begleitet wurde er von Verlagsrepräsentant Raphael Pfaff (links), begrüßt hat ihn Bibliothekschef Frank Effenberger . Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Um Gewalt, Verrat und möglicherweise falsch verstandene Liebe geht es in Herman Kochs Familiendrama „angerichtet“. Der preisgekrönte Roman des Niederländers steht in diesem Jahr im Mittelpunkt des literarischen Gemeinschaftserlebnisses „Bad Hersfeld liest ein Buch“. Gestern abend konnten die Hersfelder den Autor in der Stadthalle persönlich erleben. Die HZ hatte vor der Veranstaltung Gelegenheit zum Interview mit Herman Koch.

Herr Koch, mit „angerichtet“ haben Sie ganz schön was angerichtet. Hatten Sie mit so viel Resonanz gerechnet?

Herman Koch: Nein. Ich habe nur gedacht, dass ich ein gutes Buch geschrieben habe. Das Gefühl hatte ich auch schon bei anderen Büchern. Die haben dann aber nicht so viel angerichtet wie dieses.

Bad Hersfeld hat Ihren Roman unseres Wissens als erste Stadt mit einer Gemeinschaftsaktion gewürdigt, Hanau folgte kurz danach. Wie sieht der Autor Veranstaltungen wie „Eine Stadt liest ein Buch“?

Koch: Das ist eine sehr schöne Idee. In Holland gibt es das nicht. Als ich von Bad Hersfeld hörte, habe ich ich mich sehr geehrt gefühlt.

Hatten Sie beim Schreiben von „angerichtet“ ein grundsätzliches Anliegen oder ging es Ihnen mehr um eine Beschreibung gesellschaftlicher Mechanismen?

Koch: Ich habe fürs Schreiben keinen Plan, sondern das geht mehr intuitiv. Wenn ich die erste Version fertig habe, weiß ich schon mehr und kann ein bisschen akzentuieren. Bei „angerichtet“ wusste ich nur, dass der Roman in einem Restaurant spielen und dass er fünf Teile haben würde.

Die Entwicklung der Geschichte war dann eine Überraschung...

Koch (lacht): Ja. Ich wusste schon etwas, aber nicht alles.

Auch in Ihrem neuen Roman „Sommerhaus mit Swimmingpool“ geht es um das Familienleben hinter der Fassade. Ist das Ihr großes Thema?

Koch: Ja, jetzt schon zum dritten Mal, denn auch das Buch vor „angerichtet“ handelte von einer Familie mit einem kriminellen Sohn. Das Thema interessiert mich, weil ich selber Familie habe. Jetzt bin ich aber fertig damit.

Am vergangenen Mittwoch haben die Niederlande im Fußball gegen Deutschland verloren. Haben Sie da gelitten?

Koch: Natürlich habe ich gelitten. Ich bin ein großer Fußball-Fan, aber nach 15 Minuten habe ich schon eine tiefe Verbeugung vor der deutschen Mannschaft gemacht. Wir hatten keine Chance.

Von Karl Schönholtz

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