Falschparker reagieren mit Ausreden und Beleidigungen

Knolle sorgt für Wut

Ein Strafzettel, weil die Parkscheibe fehlt: Ein Rotenburger Ordnungshüter bei der Arbeit. Wenn das Auto nach einer halben Stunde noch nicht weg ist, steigt der Betrag von anfangs fünf Euro nach oben. Foto: Schubert

Hersfeld-Rotenburg. Und zack, hängt der kleine blaue Zettel unterm Scheibenwischer: Fünf Euro, weil die Parkscheibe fehlt. Zwei Mitarbeiter der Rotenburger Ordnungsbehörde drehen ihre morgendliche Runde durch die Stadt. Bis zu 20, 30 solcher Knöllchen können am Tag zusammen kommen: Ein Job, der nicht selten die Wut der Mitbürger auf sich zieht.

„Manche brüllen schon von weitem, was wir da an ihrem Auto machen“, erzählt der Rotenburger, der aus verständlichen Gründen anonym bleiben möchte. Er habe schon verärgerte Anrufer erlebt, seiner Kollegin wurde gar das Auto beschädigt.

Dabei sei es nicht ihr Auftrag, Geld einzutreiben, sondern, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, sagen beide. Schließlich kommt auch vor, dass sie Gnade walten lassen, „zum Beispiel wenn die Leute einsichtig sind, einen dringenden Arzttermin hatten oder so etwas.“ Keine Ausnahme gibt es jedoch, wenn Autofahrer auf reservierten Stellpläten für Schwerbehinderte parken. „Die sind für Menschen da, die darauf angewiesen sind und sich ausweisen können“, mahnt einer der Ordnungshüter.

Die dreisten Ausreden

Dabei hören sie täglich „tausende“ von Ausreden der Falschparker. Das Schild sei nicht zu sehen gewesen, die Markierung auf dem Boden sei nicht eindeutig, man war nur kurz in der Apotheke – dies ist nur eine kleine Auswahl der Entschuldigungen. „Beim Herz- und Kreislaufzentrum hatte einer sogar den Ausweis seiner gehbehinderten Oma reingelegt, um auf dem Behindertenparkplatz zu parken.“

Die Ahndungen seien tendenziell weniger geworden, „weil die Leute von den regelmäßigen Kontrollen wissen.“ Dass es Unbelehrbare gibt, ist den beiden klar. Einmal sei es wegen Beleidigung sogar schon mal vor Gericht gegangen. „Und doch mag ich meinen abwechslungsreichen Job. Ich mache ihn schon 18 Jahre“, sagt die Rotenburger Politesse.

Auch in Bad Hersfeld sind die sechs Ordnungspolizeibeamten fleißig: 2008 stellten sie 12 824 Knöllchen aus, 2009 waren es 12 958. Die vier Frauen und zwei Männer haben also pro Monat über tausendmal ein Verwarngeld verhängt. Laut Werner Steidel, Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste in Bad Hersfeld, missachteten die meisten Parksünder ein eingeschränktes Haltverbot oder stellten ihren Wagen ohne ein Ticket ab.

Chaos auf den Straßen

Helmut Hartmann, Fachbereichsleiter Finanzen und Ordnung in Rotenburg, berichtet von 3691 Parkverstößen im Jahr 2008. Da das Parken in Rotenburg nicht mit Tickets, sondern mit Parkscheiben geregelt ist, hatten die meisten, die erwischt wurden, die Scheibe vergessen oder die Zeit überschritten. 2009 verteilten die beiden Dienstkräfte 3327 Knöllchen. Die Arbeit der Politessen sieht Hartmanns Hersfelder Kollege Steidel als sehr wichtig an: „Wenn sie nicht wären, würde das Chaos ausbrechen. Die Parkplätze in der Innenstadt wären rund um die Uhr belegt, Ausfahrten zugeparkt und Behindertenparkplätze wären immer besetzt.“

Von Elisa Schubert und Dorothea Backovic

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