Pläne für neue Wohnblocks an der Sternerstraße

Knatsch im Kurviertel: Anwohner bangen um historisches Stadtbild

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Protest im Kurviertel: Winfried Sauer (links) und Walter Stobbe haben Protestschilder aufgestellt, weil sie eine Zerstörung des beschaulichen Wohnquartiers durch immer neue Betonblöcke fürchten.

Bad Hersfeld. Im Kurviertel hängt der Haussegen schief. Viele Anwohner fürchten um den Erhalt des historischen Stadtbilds, das seit einigen Jahren sogar als Bauensemble unter Denkmalschutz steht.

Grund für die Sorgen sind immer neue Wohnungsbau-Projekte im dem beliebten Stadtquartier. Deshalb stehen dort inzwischen in vielen Gärten Schilder, auf denen gegen die Baupläne demonstriert wird.

Aktuell entzündet sich der Unmut der Nachbarn an zwei Bauprojekten in der Sternerstraße 19 und 21. Auf dem einen Grundstück will das Architekturbüro Dietz elf Eigentumswohnungen errichten, für deren Kauf schon auf großen Anzeigen mit der „Bestlage im Kurpark“ geworben wurde. Daneben planen die selben Investoren, darunter der Arzt Dr. Mark Englisch, einen Erweiterungsbau an ein bestehendes Gebäude.

„Wir wollen hier nicht zu-betoniert werden“, sagt deshalb Winfried Sauer, der bereits in vierter Generation seit 48 Jahren in der Ludwig-Braun-Straße wohnt. Vom Balkon seiner schmucken Wohnung geht der Blick weit über die Stadt, zur Stiftsruine und Stadtkirche. Auch um diese traumhafte Aussicht bangt Sauer, dessen Haus am Hang direkt an die potenziellen Baugrundstücke grenzt. Gemeinsam mit seinen Nachbarn Walter Stobbe, Michael Stock und anderen Anwohnern hat er jetzt eine Interessengemeinschaft gegründet, um gegen die Baupläne zu protestieren.

„Wenn das historische Bauensemble hier im Kurpark einmal zerstört ist, kommen immer neue Betonklötze und unser Grundstücke verlieren an Wert“, sagt Walter Stobbe, der erst vor kurzem „für viel Geld“ ein Haus in der Ludwig-Braun-Straße gekauft und saniert hat. „Das Kurparkviertel ist deshalb so attraktiv, weil es noch so ist, wie es ist“, sagt Michael Stock.

Alle drei betonen, dass es ihnen nicht nur um persönliche Belange als direkte Nachbarn geht, sondern auch um den Charakter des ganzen Quartiers. Dabei geht es ihnen um das Stadtbild, das im Kurviertel durch die gleichförmige, meist zweistöckige Gebäude mit Walmdach geprägt wird. „Das wird von der Dominanz der Blockbetonbauten niedergerungen“, schreiben sie in einem Protestbrief an den Bauausschuss, der sich heute erstmals mit den Projekt befassen wird.

Die rund 15 Anwohnerfamilien, die in der Interessengemeinschaft zusammengeschlossen sind, warnen zudem davor, dass viele alteingesessene Bewohner des Viertels verdrängt werden könnten, weil sie das Mietniveau nicht mehr bezahlen können, und sie fürchten ein Verkehrschaos auf den Straßen, wenn dort künftig noch mehr Autos parken werden.

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