Die 19-jährige Linda Bücking aus Schenklengsfeld lebt als Au Pair in New York

Klischee und Realität

New York, New York: Die Skyline der Metropole entspricht unseren Vorstellungen von Amerika. Aber im Alltag erlebt unsere Autorin Linda Bücking – hier auf der Brooklyn Bridge –, dass manche Klischees von Amerika einfach nicht stimmen. Foto: privat

New York. „Ich gehe nach dem Abi für ein Jahr als Au Pair in einen Vorort von New York.“ Das war bis vor zwei Monaten der Satz, den ich häufig gebrauchte, wenn ich nach meinen Zukunftsplänen gefragt wurde. Als Teilnehmer am Educare-Programm der Organisation AIFS betreue ich bis zu 30 Stunden pro Woche die drei Kinder meiner Gastfamilie und besuche nebenbei Hochschul-Kurse. Wie das Leben hier wirklich sein würde, konnte ich allerdings nur erahnen.

Als ich in den USA ankam, war ich darauf vorbereitet, mich einer fremden Lebensweise anzupassen, wollte erfahren, wie die Menschen in einem anderen Teil der Welt denken und erwartete mit Spannung, wie es wohl sein würde, in eine andere Kultur einzutauchen.

Anfangs war ich ziemlich überrascht, wie wenig sich die Amerikaner und ihre Kultur von der deutschen unterscheiden. Wenn ich einkaufen ging, fand ich in den Regalen neben einigen amerikanischen Marken die gleichen Produkte wie in Deutschland vor. Auch die Geschichten, die ich über konservative, Fast-Food-liebende Amerikaner gehört hatte, bewahrheiteten sich nicht.

Schon in den ersten Tagen erkannte ich, dass die Amerikaner nicht die Klischees erfüllten, die wir über sie haben. Meine Gastfamilie legt Wert auf Mülltrennung, achtet auf einen sparsamen Umgang mit Energie und beim Blick in den Kühlschrank fällt das Wort „organic“ (Bio) auf fast allen Verpackungen auf, außer bei jenen Lebensmittel, die überhaupt nicht verpackt sind, weil sie direkt vom Bauernhof stammen.

Bisher habe ich auch niemanden kennengelernt, der nicht an die Evolutionstheorie glaubt, und auch der Klimawandel ist in den Köpfen der Menschen hier präsent.

Typisch amerikanisch

Allerdings lebe ich hier in einem sehr liberalen Teil von Amerika, der wahrscheinlich auch durch seine Geschichte in gewisser Weise europäisch geprägt ist. Trotzdem gibt es einige typisch amerikanische Eigenschaften, die ich aber als durchweg positiv empfinde.

Amerikaner haben ein stärkeres Nationalbewusstsein als die Deutschen, was wahrscheinlich in der amerikanischen und der deutschen Geschichte begründet liegt. Ehrenamtliche Arbeit ist hier viel weiter verbreitet als in Deutschland, weil schon die Kinder in den Schulen sowie in ihrer Freizeit an vielen Projekten teilnehmen, bei denen sie Spendengelder sammeln oder sich für benachteiligte Menschen einsetzen. Im Umgang mit Fremden sind die Amerikaner sehr offen und sprechen schnell über ihre Familien und Kinder, die einen sehr hohen Stellenwert haben.

Ich bin der Meinung, dass gerade unsere Generation es sich in Zeiten der zunehmenden Globalisierung nicht mehr leisten kann, sich auf eine nationale Identität zu beschränken. Stattdessen sollten wir ein Bewusstsein für die Vernetzung der Welt entwickeln.

Um Probleme lösen oder langfristig vermeiden zu können, ist es wichtig zu wissen, wie das Leben in anderen Gebieten der Erde wirklich aussieht und Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten festzustellen.

Deshalb hoffe ich, dass ich während meines Jahres die Möglichkeit haben werde, noch viele verschiedene Teile der USA zu besuchen und kennenzulernen.

Von Linda Bücking

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