Deutliches Umsatzplus – Die meisten Betriebe erwarten auch für 2012 gute Geschäfte

Klima-Hoch im Handwerk

Hersfeld-Rotenbug. Außerordentlich gute Geschäfte hat das regionale Handwerk auch im 4. Quartal 2011 gemacht und damit den positiven Jahrestrend fortgeschrieben. Nach ersten Berechnungen haben die 16 000 Handwerksbetriebe in Nord-, Ost- und Mittelhessen ihren Umsatz im Gesamtjahr auf 8,1 Milliarden Euro gesteigert – ein Plus von 5,5 Prozent. Und auch für 2012 herrsche solider Optimismus, sagte Handwerkspräsident Heinrich Gringel in einer Pressekonferenz.

Historische Bestmarke

Nach den dort vorgestellten Zahlen war die Stimmung im Handwerk Ende 2011 auf einem historischen Hoch, das nicht einmal nach der deutschen Wiedervereinigung erreicht wurde: Der Geschäftsklimaindex kletterte auf 115,3 Punkte und lag noch einmal 2,4 Punkte über der Bestmarke des Vorjahres. In diesem Wert drücken sich die Geschäftslage und die Konjunkturerwartungen von 720 Betrieben aus, die die Handwerkskammer jedes Vierteljahr repräsentativ befragt.

Als gut oder befriedigend schätzten 84,4 Prozent aller Handwerksfirmen ihre aktuelle Lage ein (Vorjahr: 81,9). Zufrieden waren die Inhaber auch mit ihrer Betriebsauslastung: Mit 77 Prozent waren die Handwerksfirmen für ein Winterquartal gut ausgelastet, mehr als jeder vierte Betrieb sprach sogar von Vollauslastung. Doch die Situation in den Branchen ist unterschiedlich. Am zufriedensten sind die Betriebe im industriellen Zulieferbereich, gefolgt vom Ausbau- und vom Baugewerbe. Dort läuft es bestens, was auch mit dem bisher milden Winterwetter zu tun haben dürfte. Die Handwerkskammer warf darauf ein Schlaglicht, indem sie ihre Pressekonferenz auf einer Großbaustelle in Kassel veranstaltete. Unter Regie der regionalen Baufirmen Rennert (Kassel) und Kayser (Grebenstein) gestaltet die Kasseler Bank derzeit für 25 Millionen Euro ihren Hauptsitz bis Sommer 2013 komplett um.

Auch das Kraftfahrzeughandwerk konnte im 4. Quartal 2011 erneut zulegen, während Betriebe des Nahrungsmittel-, des Dienstleistungs- und des Gesundheitshandwerks ihre Lage schlechter als der Durchschnitt beschrieben.

Für das 1. Quartal dieses Jahres sind die Konjunkturerwartungen im Handwerk zwar etwas zurückhaltender, jedoch besser als zwölf Monate zuvor.

„Kein leichtes Jahr“

„Vor uns liegt kein leichtes Jahr mit einigen Unbekannten“, sagte Gringel und verwies auf die anhaltenden Turbulenzen in der Eurozone. Dies führe aber andererseits dazu, dass viele Menschen lieber in die eigenen vier Wände als auf dem Kapitalmarkt investieren – was wiederum bestimmte Handwerksbranchen freut. Auf dem privaten Bausektor profitiere das Handwerk derzeit von der Eurokrise und den Investitionen ins Wohneigentum. Handwerkspräsident Gringel erwartet für 2012 einen weiteren Umsatzanstieg um zwei Prozent bei gleichbleibender Beschäftigtenzahl. Im regionalen Handwerk arbeiten derzeit 86 200 Menschen.

Von Axel Schwarz

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