Gerd Dudenhöffer spielt Heinz Becker - Neues Programm führt in die „Sackgasse“

Kleinkariert wie sein Hemd

Mit der Bühnen- und Filmfigur Heinz Becker hat Gerd Dudenhöffer riesigen Erfolg. Was viele nicht zu sagen wagen, aber denken – Heinz Becker spricht es ungefiltert aus. Fotos: Schmidl

Bad Hersfeld. „Realität hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun“, sinniert Gerd Dudenhöffer in seinem neuen „Heinz-Becker-Programm“, in dem seine Kunstfigur bewusst nicht mit Vollgas, sondern in gemäßigterem Tempo in die „Sackgasse“ fährt. Geradezu familiär tritt er am Donnerstag vor das Publikum in der restlos ausverkauften Stadthalle.

Türen zum Foyer geöffnet

Es musste sogar noch das Foyer geöffnet werden, um weitere Plätze zu schaffen für seine zahlreichen Fans, die feinen Wortwitz und wahre Komik schätzen und damit in diesem „Ein-Personen-Stück“ zwischen Theater und Kabarett bestens bedient wurden.

Vor einer Betonwand sitzt der Becker Heinz auf einem Gartenstuhl. Nicht ohne seine Batschkapp, die seit über dreißig Jahren als Markenzeichen dient. Das Hemd ist ebenso kleinkariert wie die Denkweise des Saarländers. Auch in seinem 14. Bühnenprogramm kommt er nicht gleich zur Sache und schon gar nicht auf den Punkt. Schweift ab und gerät, von der Belanglosigkeit verdeckt, zu den Brennpunkten im privaten Bereich, in der Politik im eigenen Land, in Europa und den Katastrophen auf der ganzen Welt. Dabei ist kein Thema vor Heinz mit dem unnachahmlichen Minenspiel, seinem Zögern beim Nichtsagen und Unaussprechlichen sicher. Seine Witze wie immer böse, aber gut.

Bei diesem Programm scheint er aber bei frauenfeindlichen, diskriminierenden und rassistischen Anspielungen zumindest leicht auf die Bremse zu treten. Dafür widmet er sich vermehrt Themen des letzten Lebensabschnittes. „Die Renten sind sicher“, versprach einst Norbert Blüm. Doch der hatte nicht zu Ende gesprochen. „Die Renten sind sicher… im Alter nicht ausreichend“, wäre die vollständige Aussage gewesen.

Mausefallen im Kühlschrank

Über an Altersdemenz erkrankte Angehörige, die von Mausefallen im Kühlschrank vom ständigen Wurstessen abgehalten werden sollen und deutlich ungerechteres Älterwerden mit gesetzlicher statt privater Krankenversicherung weiß Heinz Becker Bescheid.

Auch wenn er sich als Befürworter der Sterbehilfe „für´s Hilde“ zeigt - vorher soll sie ihm noch erklären, wie die Waschmaschine und der Wäschetrockner bedient werden. „Seebestattungen für Blinde? Warum nicht!“ gibt sich der Kabarettist ganz liberal. Aber Heinz wäre nicht Heinz, wenn nicht immer wieder seine kleinbürgerlichen Ängste durchbrechen würden. So ist es doch möglich, dass sich Käpt´n Iglu und Uncle Ben´s wegen des Klimawandels in Europa treffen.

Fast zwei Stunden lang werden die Lachmuskeln des begeisterten Publikums aufs äußerste strapaziert, besonders als Heinz Becker sich „in der falschen Tür getäuscht hat“ und im Sexshop landet.

Wer selbst nicht zum Stammtisch geht, an diesem Abend war er mittendrin. Donnernder Applaus für Heinz Becker, der zum Schluss seinen Vater zitiert: „Wenn dir einer dumm kommt, kann er auch dumm gehen!“

Von Gudrun Schmidl

Kommentare