HZ-Montagsinterview mit Meike Hoßbach zum Freiwilligendienst in Südafrika

Ein kleines Licht im Dunkel

In wenigen Tagen geht’s los: Dann fliegt Meike nach Südafrika, um dort ein Jahr lang in einer Behinderten-Schule zu arbeiten. Foto: Becker

Bad Hersfeld. Dreißig Tage Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika sind vorbei. Die Vuvuzelas haben ausgetrötet, viele der politischen und sozialen Probleme in Südafrika bestehen aber weiter fort. Hannah Becker sprach mit Meike Hoßbach, die ein Jahr lang einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Südafrika leisten wird.

Meike, warum hast du dich dafür entschieden, ein Jahr in Südafrika zu leben?

Hoßbach: Ich habe mich schon immer sehr für den afrikanischen Kontinent interessiert, besonders begeistert mich die Musik. Sie drückt die Lebensfreude der Menschen dort aus. Auch die Landschaft in Afrika finde ich unglaublich schön. Südafrika ist für mich ein Land der Kontraste. Es gibt sehr krasse Unterschiede zwischen Arm und Reich, Weiß und Schwarz. Durch meinen Freiwilligendienst habe ich die Möglichkeit, das Land ganz neu kennenzulernen.

In welcher Einrichtung wirst du tätig sein?

Hoßbach: Ich werde in der Ethembeni Special School in der Nähe von Durban arbeiten. Das ist eine Schule für behinderte Kinder und Jugendliche, die alle aus Zulu-Familien stammen. Behinderungen werden in Afrika oft als „Strafe Gottes“ empfunden, betroffene Kinder werden meist nicht gefördert. Ich werde mit diesen Kindern zusammenarbeiten und ihnen eine sinnvolle Freizeitgestaltung anbieten.

Musstest du dafür eine spezielle Ausbildung machen?

Hoßbach: Viele der Freiwilligen haben gerade erst ihr Abitur oder eine Ausbildung abgeschlossen und deswegen noch keine große Erfahrung. Wir werden von der Organisation aber sehr gut vorbereitet und besuchen mehrere Seminare. Ich mache zur Zeit auch noch ein entsprechendes Praktikum.

Ein großes Problem in Südafrika ist die hohe Kriminalitätsrate des Landes. Hast du Angst davor, dass dir während deines Aufenthaltes etwas zustoßen könnte?

Hoßbach: In Südafrika gibt es ja viele abgetrennte Wohngebiete, in den hauptsächlich die reichere weiße Bevölkerung lebt und die durch Zäune und Security-Personal geschützt sind. Dort wohnen wir Freiwilligen allerdings nicht. Viele von uns werden in Townships leben. Die meisten der Freiwilligen werden während ihres Aufenthalts um die zweimal überfallen, etwas Schlimmeres ist allerdings noch nie passiert. Man darf einfach nicht sein komplettes Bargeld mit sich herumtragen. Alle Wohngemeinschaften wurden außerdem so eingeteilt, dass immer mindestens ein Junge und ein Mädchen zusammenwohnen. Für zwei Mädchen alleine wäre es wohl zu gefährlich. Ich darf zum Beispiel nicht ohne meinen Mitbewohner alleine nach draußen. Das ist zwar nervig, aber einfach sicherer.

Glaubst du denn, dass du in Südafrika mit deiner Arbeit etwas bewirken wirst?

Hoßbach: Ich denke, alle Freiwilligen sind sich einig, dass wir nur ein ganz kleines Licht in der Dunkelheit sind. Trotzdem ist es selbstverständlich auch mein Ziel, dort etwas zu erreichen. Für mich wäre es schon ein großer Erfolg, wenn ich die Welt von zwei Kindern etwas besser machen könnte. Außerdem ist es natürlich auch für uns Freiwillige eine unglaublich lehrreiche Erfahrung, von der wir alle möglichst viel mitnehmen wollen.

Was hast du für deine freie Zeit eingeplant, worauf freust du dich am meisten?

Hoßbach: Meine Schule liegt nicht weit entfernt vom Meer. Ich würde wahnsinnig gern Surfen lernen. Außerdem hoffe ich, dass ich die Zeit finde, meine Zulu-Kenntnisse auszubauen. Natürlich würde ich mir auch gerne Kapstadt und die Drakensberge ansehen.

Was wirst du in Deutschland am meisten vermissen?

Hoßbach: Am allermeisten werde ich natürlich meine Familie und meine Freunde vermissen, meine vertraute Umgebung. Jetzt, wo der Termin meiner Abreise immer näher rückt, werden wir auch alle nervöser und aufgeregter. Was mir außerdem fehlen wird, ist die Stracke (lacht). Natürlich freue ich mich auch auf das afrikanische Essen, aber ich glaube, dass es die hessische Spezialität dort leider nicht geben wird.

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