Schauspieler-Größen der Bad Hersfelder Festspiele geben Kostproben ihrer Stücke und machen Lust auf die 60. Saison

Ein kleiner Vorgeschmack auf Großes

Großer Andrang: Knapp 500 Leute kamen zur Matinee in die Hersfelder Schilde-Halle. Fotos: Hartmann

Bad Hersfeld. Sie kribbelt in der Magengegend, die Vorfreude auf die 60. Saison der Bad Hersfelder Festspiele. Und wie sehr sie verbreitet ist, bewiesen die Theaterbegeisterten am Sonntagvormittag bei der HZ-Matinee. Aus allen Himmelsrichtungen strömten insgesamt knapp 500 Leute zur Schilde-Halle: händchenhaltende Paare, schlendernde Grüppchen und quengelnde Kinder. Dort gab es die erste Kostprobe dessen, was wir ab 12. Juni auf der Bühne der Stiftsruine bestaunen dürfen. Und vielen schon jetzt ein Lächeln in die Mundwinkel klebte.

„Wir sind alle sehr aufgeregt“, sagte Intendant Holk Freytag, der seit einer Woche den „Wilhelm Tell“ mit seinem Ensemble einstudiert. Und als Horst Sachtleben und Martin Bringmann damit begannen, sich Schillersche Sätze wie „Das Neue dringt herein mit Macht, das Alte scheidet“ entgegenzuschleudern, wurde es still in der ausgeräumten Industriehalle. Nicht einmal die vielen Menschen, die keinen der 300 Sitzplätze mehr ergattert hatten und sich stehend das Programm ansahen, schienen sich mehr zu bewegen.

Für Erheiterung sorgten Sachtlebens Schilderungen seiner Schauspielerei in der ARD-Serie „Um Himmels Willen“, nach der ihn Moderator und HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm befragte. Dass er „alle seine Nonnen liebt“ und „dann als Bischof auch gerne auf der Strecke bleibt“, sorgte für Gekicher, das in Gelächter mündete, als Veranstalter Pfromm erwiderte: „Herr Sachtleben, Sie sind wohl das sympathischste Gesicht der katholischen Kirche im Moment.“ Viele mitleidige Ausrufe ernteten die Schauspieler des russischen Stücks „Sommergäste“, die mit Regisseur Jean-Claude Berutti direkt nach der Probe zur Matinee kamen. Denn dass sie alle so fit seien, liege wohl „an der Abhärtung“ während der Proben, so Pfromm.

Immer rein ins Wasser

Emanuela von Frankenberg, Stefan Reck, Johannes Terne, Lars Weström und Co. durften nämlich schon oft während der Proben in das Wasser des Swimmingpools springen, der Teil des Bühnenbilds ist. „Das Wasser ist warm. Das Reinspringen ist also nicht das Problem. Nur das Herauskommen“, sagte Berutti. „Wer dieses Stück nicht sieht, der tut mir leid“, sagte Intendant Freytag.

Große Augen bekamen die Gäste der Matinee, als Anna Montanaro die kalte Halle mit der Melodie von „Catwalk“ aus dem Musical „Carmen“ füllte. Und die Temperatur schien um ein paar Grad zu steigen, als sie mit schwingenden Hüften über die Bühne stolzierte. Auch das Duett von Maaike Schuurmans und Paul Kribbe gab einen Vorgeschmack darauf, wie spektakulär es ist, bald bei der Welturaufführung eines deutschen Carmen-Musicals dabei zu sein.

Von Judith Strecker

Fotos:

Ruinenstars - Matinee in der Hersfelder Schilde-Halle

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