Kleine Menschen akzeptieren

Sind gerne zum Kleinwuchsforum nach Hohenroda gekommen: Der dreijährige Mika Glaser und seine Eltern Nina und Malte aus Calden. Mika ist jetzt 81 Zentimeter groß.

Hohenroda. „Als wir erfahren haben, dass Mika kleinwüchsig ist, war das schon ein Schock für uns“, erzählt Nina Glaser. Heute ist Mika drei Jahre alt und misst 81 Zentimeter Körpergröße. Gemeinsam mit Mutter Nina und Vater Malte ist Mika aus Calden (Kreis Kassel) über das Himmelfahrtswochenende in den Hessen-Hotelpark-Hohenroda gekommen. Die Familie gehört zu den insgesamt 250 Teilnehmern, die aus ganz Deutschland zum 23. Kleinwuchsforum des Bundesverbandes kleinwüchsiger Menschen (BKMF) gekommen sind. Seit 2005 ist das Hotel im Schwarzengrund in der Mitte Deutschlands Ausrichtungsort für das Jahrestreffen kleinwüchsiger Menschen.

„Wir leisten Aufklärungsarbeit in erster Linie für junge Familien“, sagt BKMF-Sprecher Wolfgang Küssner. Themen bei Fachvorträgen und Gesprächskreisen seien etwa Behandlungen bei durch Wachstumshormonmangel verursachten Formen der Kleinwüchsigkeit, aber auch Operationen oder orthopädische Behandlungen. „Wir wollen die Kinder aber nicht mit aller Gewalt verlängern“, sagt Küssner. Vielmehr gehe es darum, kleinwüchsige Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind.

Mindestens genauso wichtig sei für Betroffene und Familienangehörige die Möglichkeit zum Austausch. Für die 150 Kinder, Kleinwüchsige ebenso wie deren normal große Geschwister, bieten die Veranstalter ein umfangreiches Sport- und Freizeitprogramm an. Insgesamt sei der Umgang der Gesellschaft mit Menschen mit körperlichen Einschränkungen in den vergangenen Jahren offener geworden, berichtet Wolfgang Küssner. In Einzelfällen müssten betroffene Familien aber noch kämpfen.

Eine Erfahrung, die auch Familie Glaser aus Calden gemacht hat. Um die Anerkennung von Mikas Schwerbehindertengrad von 80 Prozent habe man zwei Jahre vor Gericht gekämpft. Die Nachricht, dass ihr Sohn kleinwüchsig ist, haben Nina und Malte Glaser „relativ schnell weggesteckt“, sagen beide. Weil Mika als Frühchen auf die Welt gekommen war, war seine Kleinwüchsigkeit erst im Alter von einem halben Jahr aufgefallen. Manchmal werde ihr Sohn schon komisch angeschaut oder nach seinem großen Kopf gefragt, erzählt Nina Glaser. Das tue, je nachdem, wie das passiere, mitunter auch richtig weh, erzählt die Mutter des Dreijährigen. Beim Kleinwuchsforum war die Familie Glaser zum dritten Mal dabei und will auch in Zukunft wiederkommen.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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