Michaela Barth entwirft die Kostüme für zwei Festspiel-Produktionen

Kleider machen Leute

Handgezeichnet: So sieht Michaela Barth „De Treville“ aus „Die drei Musketiere“. Spielen wird die Rolle Manfred Stella.

Bad Hersfeld. Den Blick für das Besondere besitzt Michaela Barth. Und ein bisschen Mut zum Risiko sowieso. Ohne die quirlige Kostümbildnerin mit Wohnsitz in Hamburg und Engagements an Theatern in ganz Europa ginge es wohl sehr trist zu auf der Bühne der Bad Hersfelder Stiftsruine.

Nach gewöhnlichen Kostümen von der Stange kann man in der Stiftsschneiderei lange suchen. Für jeden Darsteller der Produktionen „Nathan der Weise“ und „Die drei Musketiere“ entwirft Michaela Barth individuelle Gewänder. Dafür sind Kreativität und Fingerspitzengefühl gefragt – und eine fundierte Ausbildung. Ihrer Lehre zur Damenschneiderin ließ Michaela Barth ein Bekleidungsdesign- Studium an der Berliner Hochschule der Künste folgen.

Glück beim Theater

„Die Konsum- und Profitorientiertheit im Modedesign haben mich aber bald abgeschreckt“, bekennt die 47-Jährige, die ihr Glück fortan beim Theater fand.

Ihre ersten Bühnenkostüme entwarf sie noch für das Berliner Obdachlosentheater „Ratten 07“ und die Aufführungen des Gefangenentheaters „Aufbruch“ in der Justizvollzugsanstalt Tegel. „Ich hatte das Glück, wertvolle Erfahrungen zu sammeln und den richtigen Leuten zum richtigen Zeitpunkt zu begegnen“, sagt die Kostümbildnerin.

Vor allem ihr Zeichentalent habe ihr schnell Türen geöffnet, und so war die Freiberuflerin an allen renommierten Theatern von Hamburg bis Bayreuth tätig. Am Dresdner Staatsschauspiel traf sie im Jahr 2002 auf Holk Freytag, der bis heute die Zusammenarbeit mit ihr sucht. „Schon beim Kennenlernen stimmten die Chemie und unser künstlerischer Anspruch überein“, sagt Michaela Barth.

Für die Vorbesprechungen zu den gemeinsamen Inszenierungen in der Stiftsruine habe sich ein bestimmtes Ritual eingependelt. „Wir treffen uns zum Abendessen, Holk kocht, und zusammen fantasieren wir über die mögliche Ausgestaltung der Figuren.“

In diesem Jahr würden beispielsweise die Nathan-Darsteller in moderne Gewänder gehüllt, die aber gleichzeitig die religiöse Symbolik des Stückes aufgriffen, verrät die Kostümbildnerin. Inspirationen für ihre Arbeit finde sie überall – im Internet, im Fernsehen oder auch im Kinofilm „Fluch der Karibik“.

Kooperative Schauspieler

Ihre handgezeichneten Entwürfe bespricht Michaela Barth anschließend mit der Kostümabteilung im Stift.

Mit den zwei Gewandmeisterinnen wird so lange über Stoffe, Schnittführung, Knöpfe und Reversform diskutiert, bis das Kostüm exakt zum Rollencharakter passt. Auch um das passende Make-Up kümmert sich die 47-Jährige: „Die Schauspieler sind zum Glück sehr kooperativ und machen auch meine verrücktesten Ideen mit.“

Von Emily Spanel

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