Hersfelder wegen mehrfachen Betrugs, Diebstahls und Erpressung angeklagt

Kleider brachten Beute

Bad Hersfeld. Betrug, Diebstahl und versuchte Erpressung werden einem 45-jährigen Medizinprodukteberater zur Last gelegt, der sich seit gestern vor dem Hersfelder Schöffengericht verantworten muss. Doch der Angeklagte zeigte sich unbeeindruckt. „Würden Sie mir eine Frage beantworten, wenn Sie sonst schon keine Angaben zur Sache machen wollen?“, fragte Staatsanwalt Andreas Hellmmich. „Warum sollte ich?“, gab der Angeklagte zurück.

70 Prozent Rendite?

Der erste Fall passierte bereits im Jahr 2003. Der 45-Jährige, so die Anklageschrift, soll sich 10 000 Euro von seinem ehemaligen Arbeitgeber geliehen und ihm einen Zugewinn von 7000 Euro versprochen haben. Nachdem der Zeuge auch nach Jahren weder seinen Einsatz, noch seinen Gewinn wiedererhalten hatte, erstattete er 2007 Anzeige.

2006 soll der Angeklagte einem guten Freund einen Seat Ibiza gestohlen und diesen zum Preis von 5000 Euro an einen 34-jährigen Frührentner verkauft haben. Der Geschädigte erstattete Anzeige gegen seinen Freund, seine Aussage konnte gestern jedoch nicht gewertet werden, da er betrunken zur Gerichtsverhandlung erschien. „Er hat mich beschissen mit dem Fahrzeug, aber ich hab’ ihn trotzdem noch lieb“, betonte der Geschädigte.

Der in diesem Fall ermittelnde Kommissar sagte jedoch aus, der Bestohlene sei zum Zeitpunkt der Erstvernehmung 2006 aussagefähig gewesen. Der Frührentner indes gab an, dass ihm die Transaktion nicht verdächtig vorgekommen sei. „Der Angeklagte machte einen seriösen Eindruck und war sehr gut gekleidet, da vermutet man sowas nicht.“

Das sichere und adrette Auftreten des Angeklagten täuschte auch eine 60-jährige Frau, die ihn mit dem Verkauf ihres Privatfahrzeugs betraute. Sie händigte ihm 2007 in blindem Vertrauen sämtliche Fahrzeugpapiere aus. Der Mann verkaufte den Wagen für 14 200 Euro über ein Autohaus und behielt den Gewinn.

Ebenfalls Opfer des Angeklagten wurde, so warf ihm Staatsanwalt Hellmich vor, eine Autofirma, die ihm 2007 einen Leihwagen der Marke Skoda überließ. Als die Mietzahlungen bald darauf ausblieben, kündigte der Firmenmitarbeiter und geladene Zeuge den Vertrag, konnte den Angeklagten jedoch nicht ausfindig machen. Kein Wunder, denn der Betrüger war gerade dabei, den Wagen an einen Interessenten zu verkaufen. Der Zeuge gab an, eine Anzahlung von 1000 Euro geleistet zu haben, woraufhin der Angeklagte jedoch nicht zur Übergabe des Wagens erschien und dem Geschädigten das Geld auch nie zurückzahlte. Gefunden wurde der Skoda erst 2010 in schlechtem Zustand in Südtirol, wohin sich der Angeklagte zeitweise abgesetzt hatte.

Fortsetzung folgt

Der Angeklagte konnte gefasst werden, da er bei jeder Transaktion seinen richtigen Namen angegeben hatte. Verteidiger Klaus-Dieter Jungk stellte mehrere Beweisanträge zur Entlastung seines Mandanten, jedoch wurde nicht allen stattgegeben. Für die Verhandlungsfortsetzung am Freitag sind noch zwei weitere Zeugen geladen.

Von Nina Skrzyszowski und Christina Pistor

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