Bad Hersfelder Festspiele 2011: Eugen Dittrich ist Dresser für die Schauspieler

Das Kleid zur rechten Zeit

Inmitten der Kostüme: Eugen Dittrich sorgt dafür, dass für jeden Schauspieler das passende Kleidungsstück zur Hand ist. Foto:Brandau

Bad Hersfeld. Er bügelt, er näht und stopft. Stunden vor einer Festspiel-Vorstellung ist Eugen Dittrich bereits im Dienst. Er arbeitet als Ankleider, auch Dresser genannt. Es ist seine Aufgabe, den Schauspielern in der Stiftsruine im richtigen Moment das gewünschte Kleidungsstück zu reichen. Dafür krabbelt er auch mal mit schwarzer Mütze unter die Bühne, damit er vom Publikum nicht gesehen wird.

Dittrich kümmert sich darum, dass alles zur Stelle und nichts kaputt ist. Vor den Aufführungen muss alles haarklein kontrolliert werden. Die Kleidung wird gewaschen und gebügelt. Jedes Kleidungsstück hat seinen festen Platz.

Die Schauspieler müssen Dittrich blind vertrauen. Gibt er ihnen etwas Falsches, müssen sie damit auf die Bühne. „Es passiert auch mal, dass ich schnell einen Knopf im Dunkeln annähen muss“, erzählt Dittrich.

Neustart im Ruhestand

Eigentlich ist Eugen Dittrich Rentner. Der studierte Ingenieur, der mit seiner Familie in Mainz lebt, arbeitete viele Jahre im Finanz- und Personalcontroling. Nach dem Eintritt in den Ruhestand fing er an, Theaterwissenschaften und Kulturanthropologie an der Uni Mainz zu studieren. Während eines Praktikums am Theater wurde er für ein Musical als Dresser angefragt, und so ist er bis heute an dem Job hängen geblieben. „Ich liebe die Herausforderung. Jeder Abend ist anders und man weiß nie, ob etwas passiert“, sagt Dittrich. Als Rentner braucht er nicht das ganze Jahr über zu arbeiten, sondern er reist nur zu bestimmten Engagements.

Ab der ersten Hauptprobe arbeiten insgesamt zehn Leute als Dresser. Sechs Tage die Woche sind sie im Dienst. Handwerkliches Geschick und logisches Denken sind eine Voraussetzung. Machen sie einen Fehler, kann er große Konsequenzen haben. Die Gänge in der Ruine sind eng, dunkel und kalt. Unter diesen Umständen ist es nicht leicht, die Orientierung und den Überblick zu behalten.

Auf einen Ankleider kommen etwa acht Schauspieler. Ein Dresser steht speziell für Helen Schneider auf der Treppe.

Als Dresser brauche man pädagogisches Geschick, denn die Schauspieler seien oft nervös und in Hetze, sagt Dittrich. Außerdem dürfe man keine Abneigung vor fremden Schweiß haben. „Meine Arbeit ist hautnah.“ Die Schauspieler seien teils total nassgeschwitzt.

Besonders die Premiere von Hamlet sei eine Herausforderung gewesen. Aus den nassen Sachen "raus und noch nass in die Neuen rein. „Theater ist ein rauer Betrieb. Aber wir sind ein eingeschworenes Team und es macht eine Menge Spaß“, sagt Eugen Dittrich.

Von Lea-Marie Brandau

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