Fusion der katholischen Kirchengemeinden soll mit Neuausrichtung verbunden sein

Das Kleid passt nicht mehr

Eine Gemeinde für mehrere Orte: Pfarrer Bernhard Schiller mit dem Logo der neuen katholischen Kirchengemeinde St. Lullus, das von Heike Volkert gestaltet wurde. Es ist angelehnt an das Doppelkreuz im Hersfelder Wappen. Foto: Eisenberg

Bad Hersfeld. Die Fusion der katholischen Pfarrgemeinden in Bad Hersfeld und im Aulatal wertet Pfarrer Bernhard Schiller nicht nur als Wandel auf rein struktureller Ebene.

„Die Kirche findet häufig nicht die Sprache, um die Menschen in der heutigen Gesellschaft zu erreichen. Gott umarmt uns durch die Wirklichkeit“, betont Schiller. Natürlich gehe es auch darum, die Strukturen aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, als mit den Flüchtlingen eine große Zahl Katholiken in den evangelisch geprägten Landkreis gekommen war, den heutigen Gegebenheiten anzupassen. „Das Kleid, das wir uns damals gegeben haben, ist zu groß geworden“, formuliert Schiller.

Zwei Geistliche weniger

Im Landkreis gibt es zwei katholische Geistliche weniger als noch vor kurzem: Pfarrer Christian Sack und Kaplan Joachim Hartel haben mittlerweile Aufgaben an anderer Stelle im Bistum Fulda übernommen.

Für den Fusionsprozess, der 2012 ursprünglich mit Gesprächen über eine lockere, aber verbindliche Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden der Kreisstadt und im Aulatal begonnen habe, hat sich die Kirche auch Unterstützung von einem Unternehmensberater aus den Reihen der Gemeindeglieder geholt. In Arbeitsgruppen wurden Einzelheiten des Zusammengehens ausgearbeitet und auch die Pfarrgemeinderäte haben laut Schiller zugestimmt. „Sonst hätte uns der Bischof wohl nicht fusioniert“, merkt der Priester an. Die neue Gemeinde umfasst das Gebiet der Stadt Bad Hersfeld sowie der Gemeinden Schenklengsfeld, Hauneck, Niederaula, Breitenbach/H., Kirchheim, Neuenstein und Ludwigsau.

Natürlich gebe es Gemeindeglieder die fürchten, dass das neu Entstandene nicht mehr ihre altbekannte Kirche sei. Dabei gehe es ja gerade um eine Erneuerung aus dem Inneren, weg von einer pfarrerzentrierten Kirche, meint Schiller. „Wichtig ist, dass wir die Menschen erreichen.“ Dieses Ansinnen verfolge auch ein Grundsatzpapier des Bistums zur Ausrichtung der Pastoral. Gottesdienste soll es weiter in allen Kirchen geben, wenn auch seltener oder zu anderen Zeiten. „In Kirchheim findet die Messe am Sonntag um 9 statt bisher um 10 Uhr statt. Natürlich besteht die Möglichkeit, um 11 Uhr die Messe in Bad Hersfeld zu besuchen oder um 18 Uhr am Eichhof“, verdeutlicht der Geistliche. Mit der rechtlichen Gemeindefusion sei es noch nicht getan, jetzt müssten die Strukturen mit Leben erfüllt werden. In naher Zukunft werde sich zeigen, welche Angebote angenommen werden.

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Von Jan-Christoph Eisenberg

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