Bosch-Orchester gastierte in der Stiftsruine

Klassische Klänge vom Elektrokonzern

Vor rund 700 Zuhörern in der Stiftsruine: Das Bosch-Sinfonieorchester aus Budweis. Foto: roda

Bad Hersfeld. Musik schafft Verbindungen. Auch diese: Bosch, der Stuttgarter Elektro-Großkonzern, betreibt ein Werk in Budweis, dem tschechischen Ceské Budejovice. Bosch hat auch nein, keine Werkskapelle, sondern ein veritables Sinfonieorchester, das am Wochenende erneut die Bad Hersfelder Festspielkonzerte beehrte und bereicherte. Zum Teil mit tschechischer Musik – Dvoráks immer wieder beglückender Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ (am Samstag) und Smetanas ewig rauschender „Moldau“ (am Sonntag). Dazu mit drei tschechischen Solisten, eben aus Ceské Budejovice für Mendelssohns Doppelkonzert d-Moll (Violine, Klavier) und Beethovens Tripelkonzert (Violine, Violoncello, Klavier).

Die Moldau

In der Stiftsruine machen sich auch musikalische Landschaften gut. Die „Moldau“, wie Dvoráks Sinfonie in der Grundtonart e-Moll, bewahrt bei den Bosch-Sinfonikern ihre unvergleichliche, raunende Idyllik, die charakteristisch die Szenen an den Ufern (Jagd, Bauernhochzeit, nächtlicher Nymphenreigen) spiegelt.

Die Musiker und ihr Dirigent Ulrich Walddörfer kümmern sich um das viel traktierte Werk wie um ein neu geborenes und heben gerade die Unscheinbarkeiten der Partitur hervor wie die „fließende“ Mittelstimmenbewegung.

Gut 700 Besucher waren Zeugen des Sonntagskonzerts und auch eines ungewohnten Klangbildes in Beethovens Tripelkonzert C-Dur op. 56. Vergangenen Sommer führte es Prof. Siegfried Heinrich hier auf mit dem Solistentrio auf der Bühne. Nun jedoch agierte es im Orchestergraben und war vollkommen in die Klangtotale integriert. Vor allem der Konzertflügel, der sich sonst gegen die Komponistenabsicht gern vordrängt.

Die Pianistin Jana Drhová und ihr Bruder, der Geiger Mikulás Drha, bilden das über Südböhmen hinaus bekannte „Duo Assonanza“. Und Kammermusik war es, die hier in konzertantem Rahmen zwar, doch fast barockmusikalischer Feinarbeit stattfand. Ein Konzertieren nicht mit auftrumpfender Geste, sondern mit leiser, spannungsvoller Sogwirkung, in die mit erlesenem Ton auch der Cellist Marek Babka sich vorteilhaft einpasste.

Romeo und Julia

Hier die intime Mitteilung, dort, in Tschaikowskis Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia“, die offensive.

Dass es keine plakative wurde, verdankte sich wiederum Dirigent und Orchester. Sie errichteten in 20-minütiger inspirierter Gemeinschaftsarbeit eine stimmige Werkarchitektur um Shakespeares Dramenkern. Wobei dem rassigen Allegro-Hauptsatz (Familienstreit) und dem dolce-Seitensatz (Liebesszene) die meiste Aufmerksamkeit galt: Vom Geigenglanz bis zu den Reizen von Harfe, Englischhorn, Trompete und Schlagwerk eine reife Darbietung. Und die Erkenntnis, wie viel Ausdruckswert sich durch eine willkürfreie, objektivierte, aber musikalisch geschlossene und eben schlüssige Wiedergabe erzielen lässt. Respekt!

Von Siegfried Weyh

Kommentare