Heftig beklatschter Kabarettabend mit Robert Griess im Bad Hersfelder Buchcafé

Klassenkampf im Bioladen

Der Kölner Robert Griess beschreibt sich selbst als Kabarettist, Autor und Vagabund. Sein pechschwarzer Humor ist schräg, zynisch und vor allem sehr komisch. Foto: Rödiger

Bad Hersfeld. Der 46-jährige Kölner Kabarettist Robert Griess wird von seiner Heimatpresse als „frechste Klappe von Köln“ beschrieben. Im diesem Fall ist es sicherlich als Ehrung gedacht. In der Tat ist der zynische Domstädter nicht auf den Mund gefallen.

Am Samstagabend gastierte er mit seinem aktuellen Satire-Programm „Revolte“ im Bad Hersfelder Buchcafé und rief Unter- und Mittelschicht zur Revolution in Deutschland auf.

Für Griess stehen die Schuldigen der aktuellen Finanz- und Eurokrise längst fest. Mit viel schwarzem Humor und intelligenten Seitenhieben auf die dekadente deutsche Mittelschicht stellt er Investment-Bänker, Industrielobbyisten und Politversager an den Pranger. Seine Lieblingsperspektive dabei ist die des typischen Unterschichtlers. Dazu schlüpft er gerne in die Rolle des eloquenten Kölner Prolls und Hartz IV-Empfängers Herr Stapper, der mit Bierbauch und Machogehabe statt langem Gerede den kurzen Prozess propagiert.

Seine Sicht der Dinge ist zynisch und gerne auch inkorrekt. Bundeskanzlerin Merkel ist für ihn die „schwarze Mamba“ und „Erich Honeckers späte Rache“ und der Dalai Lama ein verarmter Heimatloser, der sich von Empfang zu Empfang zum Buffet durchschnorren muss, um satt zu werden.

Herr Stapper flucht

Sein Lieblingsfeindbild ist neben den Reichen und Mächtigen vor allem der Mittelstand. Herr Stapper flucht auf das „Balsamico-Viertel“ in Köln, in dem es mehr Sonnenstudios und Bioläden als Bäckereien und Kneipen gibt.

Regelmäßig mischt er das „Bionaden-Ghetto“ auf und sucht provokativ die Konfrontation mit Walldorf-Lehrern und Bioladen-Kunden.

Als genetischer Urahn des Kölner Revoluzzers Stapper betrachtet er als französischer Jakobiner der Revolutionszeit, etwas verwundert die kläglichen Bemühungen seiner deutschen Nachahmer, für soziale Gerechtigkeit auf die Barrikaden zu gehen. Sein Radikalvorschlag ist die Kreation eines „deutschen Guantanamos“ mit „Champagnerbording für Bonzen“ auf der Insel Sylt.

Ansonsten ist Robert Griess definitiv kein Verfechter von Gewaltlösungen. Seine Idee ist ein hochmoderner öffentlicher Schand-Pranger. Dazu müsste man nur Deutschlands Autobahn-Windräder von Morgens bis Abends mit all jenen Führungspersönlichkeiten bestücken, welche für den riesigen Schuldenberg und die systematische Ausplünderung der deutschen und europäischen Staatsmittel verantwortlich sind.

Das Bad Hersfelder Publikum genoss die verbal-radikalen Ausführungen des Kölner „Revoluzzers“ sichtlich und applaudierte lautstark und ausdauernd, bis Robert Griess noch eine kleine „revolutionäre“ Zugabe oben drauf setzte.

Von Werner Rödiger

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