Qualifizierte berufspädagogische Begleitung soll Abbrüche verhindern helfen

So klappt’s mit der Ausbildung

Kümmern sich um Auszubildende mit Problemen: (von links) Jens Hartmann (IHK), Ausbildungsbegleiterin Sonja Strache und Hardy R. Adamczyk (Inbas). Foto: zac

Bad Hersfeld. Drei Wochen lang war Christoph W. (Name von der Redaktion geändert) abgetaucht. Er kam nicht zur Arbeit in seinem Ausbildungsbetrieb, er ging nicht zur Berufsschule, er war für seine Familie nicht zu erreichen. Die Konsequenz: Der Betrieb kündigte Christoph W. Er drohte den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Über die Vermittlung eines Berufsschullehrers erhielt Christoph W. Kontakt zu QuABB. QuABB steht für Qualifizierte berufspädagogische Ausbildungsbegleitung in Berufsschule und Betrieb und ist ein Modellprojekt, das vom Hessischen Wirtschafts- sowie vom Kultusministerium aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert wird. Ziel ist es, Ausbildungsabbrüche vermeiden helfen. Sonja Strache übernimmt ab Mitte Mai diese Aufgabe für den Kreis Hersfeld-Rotenburg.

Auszubildende mit Problemen

„Wir stellen fest, dass die Anzahl der Auszubildenden mit Problemen zunimmt. Wir benötigen auch mehr Zeit in den Gesprächen“, berichtet Jens Hartmann, Teamleiter bei der IHK-Ausbildungsberatung im Kreis Hersfeld-Rotenburg.

Ausbildungsbegleiterin Strache unterstützt unter anderem die IHK-Ausbildungsberater bei ihrer täglichen Arbeit. Gemeinsam möchten sie Abbrüche der Berufsausbildung im dualen System möglichst verhindern. „Wenn zu viel auf einmal auf die Jugendlichen einstürzt und sie sich den Anforderungen von Betrieb, Berufsschule und Privatleben nicht mehr gewachsen fühlen, dann droht ein wichtiger Teil der Lebensplanung wegzubrechen“, sagt Strache.

So wie im Fall von Christoph W. Der Tod des Vaters, Ärger mit dem Stiefvater und finanzielle Probleme der Familie hatten ihm so zugesetzt, dass er auch mit der Ausbildung nicht mehr klar kam.

Mangelnde Kommunikation

Die meisten Probleme entstehen durch mangelnde Kommunikation, Probleme mit der Arbeitszeit sowie fehlender Vermittlung von Fertigkeiten und Kenntnissen, erklärt Hartmann. In einigen Fällen sei außerdem ein verkehrtes Berufsbild bei den Jugendlichen vorhanden. Schwangerschaft, Diebstahl, und Handgreiflichkeiten führen ebenfalls zum Abbruch der Ausbildung.

Das Ziel des QuABB-Teams ist es, möglichst alle wichtigen Akteure bei der Lösungssuche einzubeziehen. Dazu gehören neben Schule und Betrieb auch die Eltern sowie das soziale Umfeld des Jugendlichen. Oft müssen Probleme mit Schulden und Drogen angepackt werden, bevor eine Ausbildung erfolgreich weitergeführt werden kann.

Anschlussperspektive

Lässt sich der Abbruch der Berufsausbildung nicht verhindern, kümmern sich die Berater darum, für den Auszubildenden möglichst schnell eine geeignete Anschlussperspektive zu verschaffen. Immerhin verlieren ein Drittel der Aussteiger dauerhaft den Anschluss zum Ausbildungs- und damit Arbeitsmarkt.

Bei Christoph W. trat dieser schlimmste Fall zum Glück nicht ein. Mit Unterstützung einer QuABB-Ausbildungsbegleiterin fand er Wege, mit seinen privaten Problemen unzugehen, suchte und fand er eine neue Ausbildungsstelle. Dort fühlt er sich jetzt sehr wohl.

Von Christine Zacharias

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