Kirchenvorstände sollen über 70 Jahre alt sein dürfen

Klage gegen die Kirche wegen Altersgrenze

Vellmar / Hersfeld-Rotenburg. Fünf Kirchenvorstände verklagen die Landeskirche von Kurhessen-Waldeck. Sie gehören der Johannesgemeinde in Vellmar an und wehren sich gegen eine Altersgrenze im Kirchenrecht: Wer älter als 70 Jahre ist, darf bei der Kirchenvorstandswahl am 29. September nicht mehr antreten.

Bischof Martin Hein hat für das Ansinnen Verständnis. In einem Brief an die Vellmarer Gemeinde erklärt er: „Wie Sie wissen, teile ich Ihre Meinung, dass die bislang für das passive Wahlrecht geltende Altergrenze von 70 Jahren nicht mehr zeitgemäß ist.“ Aber: Die Landessynode (das Parlament der Kirche) habe entsprechende Anträge mehrfach abgelehnt. Die für die Änderung der Grundordnung der Kirche notwendige Zweidrittel-Mehrheit sei bislang nicht erreicht worden.

Die Pröpstin des Sprengels Hersfeld, Sabine Kropf-Brandau, hat Verständnis für die Klage und hofft darauf, dass das Thema damit endgültig geklärt wird. Sie selbst habe für die Abschaffung der Altersgrenze gestimmt, könne aber auch diejenigen verstehen, die eine Überalterung der Kirchenvorstände befürchten. „Die Mischung macht einen guten Kirchenvorstand aus“, sagt Kropf-Brandau und fordert die Gemeinden auf, auf junge Menschen zuzugehen.

Der Heringer Michael Roth, der auch der Synode angehört, rechnet der Klage gute Chancen aus. Die Altersgrenze verstößt seiner Ansicht nach gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Obwohl er sich für ihre Abschaffung eingesetzt hatte, bedauert er, dass nun eine Kontroverse der Synode von Richtern entschieden wird. Die Befürchtung der Überalterung teilt er nicht: Die Gemeinden müssten aber auf junge Menschen zugehen.

Die Klage verhandelt das Kirchengericht in Kassel. Scheitert sie, wollen die Vellmarer bis vor den Europäischen Gerichtshof ziehen.

Hintergrund/Zum Tage

Von Frank Thonicke und Marcus Janz

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