Austauschschüler Andreas Johnson aus Kanada war bei den Wagners aus Bad Hersfeld bestens aufgehoben

Kirmes, Basketball und Schnitzel

Gemeinsame Interessen: Langeweile kam bei Austauschschüler Andreas Johnson aus Kanada (rechts) nicht auf. Gemeinsam mit seiner Gastfamilie und vor allem den Gastbrüdern – hier Albert Wagner – war der 17-Jährige nicht nur sportlich aktiv. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Gehacktes und Schnitzel isst Andreas Johnson in Deutschland am liebsten. Außerdem gefallen ihm die vielen Vereinsangebote, die Partys, die Jugendliche gemeinsam feiern, und dass man überall schnell mit dem Fahrrad hinfahren kann. „Das ist bei mir zu Hause nicht möglich“, sagt der 17-Jährige, der aus Stony Plain in der Provinz Alberta in Kanada kommt und für drei Monate bei Dagmar und Klaus Wagner aus Bad Hersfeld als Austauschschüler zu Gast war.

Deren drei Söhne Albert (15 Jahre), Paul (17) und Martin (19) haben wiederum alle schon einige Wochen in Kanada verbracht. Martin war vor vier Jahren der erste, der am Austauschprorgamm Hessen/Alberta teilnahm, das über das Staatliche Schulamt in Rüsselsheim organisiert wird. Sein Bruder Paul durfte 2012 die Sommerferien bei dessen Gastfamilie verbringen, und Albert Wagner war im vergangenen Jahr bei Andreas’ Familie als Austauschschüler zu Gast, der nun zum Gegenbesuch nach Deutschland kam.

Dagmar Wagner hat inzwischen einen dicken Ordner mit Bewerbungsunterlagen. Sie war es auch, die über ihren Job als Lehrerin damals von dem hessischen Austauschprogramm erfahren hatte.

„Die Jungs sind schon eine verschworene Gemeinschaft“, sagt Vater Klaus Wagner über das Dreiergespann Andreas, Albert und Paul. „Meine Söhne haben unseren Gast intensiv in die Kultur der Kirmesfeiern eingeführt“, verrät er lachend, und auch die deutsche Tradition des Tatort-Schauens am Sonntagabend hätte Andreas kennengelernt. Den Osterurlaub hat der Gast aus Kanada mit seiner deutschen Familie in der Türkei verbracht, Ausflüge in die Rhön und vieles mehr standen natürlich ebenfalls auf dem Programm. Heimweh hatte Andreas nicht, im Gegenteil. In der großen Familie fühlte er sich wohl, denn zu Hause sei er oft allein, da seine älteren Geschwister bereits ausgezogen sind. Beim TV Hersfeld nahm er regelmäßig am Basketballtraining teil, an der Modellschule Obersberg besuchte er den Unterricht. In Bad Hersfeld hätten ihm besonders die alten Fachwerkhäuser und die Altstadt gefallen, „Kanada ist sehr jung“, erklärt der 17-Jährige. Die Wagner-Söhne hat in Kanada vor allem die Natur beeindruckt, außerdem seien die Kanadier offener und freundlicher als die Deutschen. In der Familie Johnson haben Deutschlandbesuche schon Tradition, auch Andreas’ Geschwister haben allesamt einige Zeit hier verbracht. Seine Oma war nach dem Krieg nach Kanada ausgewandert und seine Mutter spricht zu Hause manchmal noch Deutsch.

„Andreas Deutschkenntnisse sind hervorragend“, lobt Klaus Wagner, der den gegenseitigen Austausch für sehr wertvoll hält. „Die jungen Leute verbessern nicht nur ihre Sprachkenntnisse, sie lernen auch andere Kulturen kennen und erwerben wichtige Schlüsselqualifikationen für das spätere Berufsleben.“ Dagmar und Klaus Wagner waren selbst noch nicht in Kanada, aber allzu lange wird eine Reise dorthin sicher nicht auf sich warten lassen, Kontakte gibt es schließlich genug.

Andreas wird dieses Wochenende von seiner Familie abgeholt. Gemeinsam geht es dann noch auf eine Reise quer durch Europa, und bei dieser Gelegenheit gibt es sicher auch nochmal Schnitzel.

Von Nadine Maaz

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