Amtsgericht rechnet mit 400 Austritten im Kreis bis Jahresende

Den Kirchen laufen die Gläubigen weg

Hersfeld-Rotenburg. Die Zahl der Kirchenaustritte im Kreis Hersfeld-Rotenburg ist in diesem Jahr um etwa ein Drittel gestiegen. Das erklärt Ottmar Volk, Mitarbeiter des Amtsgerichts Bad Hersfeld, auf Anfrage unserer Zeitung. 356 Austritte habe es in diesem Jahr bisher gegeben, sagte Volk am Donnerstag. Und es kämen täglich neue hinzu.

„Ich nehme an, dass wir bis Jahresende 400 Austritte erreichen“, sagt Volk. Bislang seien 88 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten, 268 aus der evangelischen. Im Vorjahr seien es insgesamt 292 Austritte gewesen (220 Protestanten, 70 Katholiken und zwei Mitglieder von freien Kirchengemeinden).

Als Auslöser für die Austrittswelle sieht Pfarrer Bernhard Schiller, Dechant der katholischen Kirche in Hersfeld-Rotenburg, die Finanz-Affäre um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. „Die Gründe für dieses Phänomen sind jedoch vielschichtiger“, sagt er. Für viele sei der Vorfall der letzte Schritt in einem langen Prozess der Entfremdung von der Kirche.

Auch Vertreter der evangelischen Kirche sehen einen Zusammenhang zu den Vorfällen im Limburg. Das sagten sowohl Volker Drewes, stellvertretender Dekan des Evangelischen Kirchenkreises Bad Hersfeld, als auch Gisela Strohriegl, Dekanin des Kirchenkreises Rotenburg. „Das schmerzt mich besonders“, sagt Strohriegl. Denn die evangelische Kirche gehe transparent mit ihrem Geld um. Drewes erklärt, es liege an Medienberichten, dass viele nicht mehr zwischen katholischer und evangelischer Kirche unterschieden. Ein weiterer Beweggrund sei, Kirchensteuer zu sparen.

Strohriegl sagt, der Evangelische Kirchenkreis Rotenburg sei trotz der Austrittszahlen einer der stabilsten Kirchenkreise in der Landeskirche Kurhessen-Waldeck. In diesem Jahr gebe es bislang 19 Aufnahmen und elf Erwachsenentaufen. Hintergrund, zum Tage, Seite 2

Von Marc Hörcher

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