57-jähriger Musiklehrer aus Neuenstein muss zweieinhalb Jahre hinter Gitter

Kinderschänder verurteilt

Fulda. Weil er einen Zehn- und einen Elfjährigen in einer privaten Bad Hersfelder Musikschule in insgesamt 80 Fällen in sexueller Absicht angefasst hat, muss ein 57-jähriger Gitarrenlehrer aus Neuenstein für zweieinhalb Jahre in Haft.

Regungslos nahm der Angeklagte gestern das Urteil der Zweiten Strafkammer des Landgerichts Fulda entgegen.

Der untersetzte Mann hatte nur wenig gesagt. „Ich bin selbst über mich erschrocken. Ich weiß nicht, warum ich so gehandelt habe“, ließ er seinen Verteidiger, Anwalt Christian Kusche aus Rotenburg, erklären. Das Gericht hatte schon einmal gegen den Musiker verhandeln, den Prozess aber abgebrochen, weil er von dem zugesagten Geständnis wieder abgerückt war. Gestern bestritt und beschönigte er nichts.

Nach dem unstrittigen Ergebnis der Beweisaufnahme hatte der Musiker an der Musikschule 25 Jahre lang unterrichtet – mit einer Unterbrechung. 1995 entließ ihn der Leiter, weil Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs laut wurden, die aber nicht weiter verfolgt wurden. Nach einem Jahr hatte der Neuensteiner seinen Job in der selben Musikschule wieder.

Den beiden Jungen, die später seine Opfer wurden, gab er vier Jahre lang Gitarrenunterricht. Nach einiger Zeit fasste er den Jungen an den Oberschenkel, später durch den Stoff der Hose in den Schambereich. Eindeutige sexuelle Anspielungen in Worten kamen hinzu. Das Gericht ging davon aus, dass sich der Angeklagte an dem Elfjährigen im Zeitraum von Mai 2006 bis April 2008 60mal vergangen hatte, an dem Zehnjährigen von Mai 2007 bis April 2008 in 20 Fällen.

Die Jungen sagten auf eigenen Wunsch vor Gericht aus. Sie schilderten dem Gericht, wie sehr die Vorfälle sie belasteten. Der Ältere der beiden litt in der Phase, in der er missbraucht wurde, unter Schlafproblemen, zog sich von Freunden und aus Vereinen zurück, der Jüngere nahm Abstand von seinem Vater. Bei dem Älteren besserte sich alles zur Normalität, nachdem er der Polizei von den Vorfällen berichtet hatte. Die Eltern berichteten dem Gericht, dass sie sich bis heute Vorwürfe machen, ihre Söhne nicht vor den Übergriffen geschützt zu haben.

Den Eltern anvertraut

Der Missbrauch wurde erst nach vielen Monaten öffentlich. Die Eltern des jüngeren Opfers beharrten darauf, dass ihr Sohn weiter in die Musikschule gehe, obwohl dessen Widerstand gegen den Unterrichtsbesuch wuchs. Als an einem Freitagnachmittag erneut eine Fahrt in die Musikschule anstand, berichtete der Junge seinen Eltern von den Übergriffen.

Der psychiatrische Gutachter Dr. Stefan Stöppler kam zu dem Schluss, dass der Angeklagter unter Pädophilie leide, aber doch voll schuldfähig sei.

Weil die Folgen für die Jungen so erheblich waren, habe die Kammer keine Bewährung mehr geben können, erklärte Vorsitzender Richter Dr. Philipp Gescher. Mit der Strafe folgte das Gericht dem Strafantrag von Staatsanwältin Christine Seban und Nebenklagevertreter Ulrich Goetjes.

Zudem muss der Angeklagte ein Schmerzensgeld von 750 Euro an den jüngeren und 1000 Euro an den älteren Jungen zahlen. Auf diese Summe hatten sich Nebenklage und Verteidigung geeinigt.

Schaden in der Seele

Der Angeklagte sei zwar nicht vorbestraft, geständig und bereits 57 Jahre alt. Auch habe er durch die Taten seine wirtschaftliche Existenz verloren. Doch habe der Angeklagte eine große Zahl von Taten begangen und dabei, so Gescher „erheblichen Schaden in der Seele von Kindern angerichtet.“

Von Volker Nies

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