Wochenend-Porträt: Musikschulleiter Wolfram Waldeck geht in den Ruhestand

„Kinder brauchen Musik“

Wenn Wolfram Waldeck zum Ende des Monats in den Ruhestand geht, wird er zwar seine Aufgaben als Leiter der Musikschule des Kreises Hersfeld-Rotenburg niederlegen, nicht aber seine Geige. Er freut sich darauf, endlich wieder mehr Zeit zum Musizieren zu haben. Foto: Zacharias

Hersfeld-Rotenburg. Kinder brauchen Musik. Davon ist Wolfram Waldeck überzeugt. Kinder an Musik heranzuführen, ihnen die Freude am Instrument und am gemeinsamen Musizieren zu vermitteln, das hat er sich zur Aufgabe gemacht. Die Musikschule des Kreises Hersfeld-Rotenburg ist sein Lebenswerk. Jetzt geht er in den Ruhestand.

Als Wolfram Waldeck vor 34 Jahren nach Bad Hersfeld kam, musste er praktisch bei Null anfangen. Auf die Initiative eines Förderkreises musikbegeisterter Kreisbürger hatte die Politik im Jahr 1978 reagiert und beschlossen, eine öffentliche Musikschule einzurichten. 1000 bis 2000 Kinder und Jugendliche, beziehungsweise deren Eltern, hatten zuvor in einer Umfrage signalisiert, Interesse an Instrumentalunterricht zu haben.

„Als ich im August 1979 hierherkam, war auf meinem Schreibtisch ein großer Stapel von Anmeldungen von Kindern, die Musik machen wollten“, erinnert sich Waldeck. Seine Aufgabe war es nun, erst einmal Lehrkräfte zu finden und den Unterricht zu organisieren. „Viele Lehrer habe ich aus Kassel geholt, damals gab es hier noch wenige“, erzählt er. Das hat sich inzwischen geändert und auch die Zahl der Musikschüler liegt seit Jahren relativ konstant bei 1200. 34 Lehrkräfte unterrichten sie an 17 Instrumenten und im Gesang.

Für Wolfram Waldeck selbst war die Musik seit seiner Jugend seine Leidenschaft. Er hat mit dem Klavierspielen angefangen und wenig später auch Geigespielen gelernt.

Immer Lust zum Üben

Zum Üben musste er nie angehalten werden. „Ich hatte immer Lust zum Üben“, erinnert er sich. Es sei eher so gewesen, dass er der Musik zu viel Zeit gewidmet und dabei die Schule vernachlässigt habe. Deshalb hat Wolfram Waldeck die Musik auch zu seinem Beruf gemacht. Er studierte erst Musik fürs Lehramt an Gymnasien und absolvierte dann das Violin-Diplom, beides in Detmold. An der Musikakademie in Kassel wollte er dann auch noch das Diplom für Klavier erwerben, doch da kam der Ruf nach Bad Hersfeld dazwischen. Seitdem hatte Wolfram Waldeck deutlich weniger Zeit zum Üben und auch das zweite Diplom hat er nicht mehr abgelegt.

Wenn er jetzt in den Ruhestand geht, freut er sich, endlich wieder mehr Zeit für seine Instrumente zu haben und sich weiter durch die Musikliteratur hindurchzuarbeiten.

„Die Leitung der Musikschule ist für mich der ideale Job gewesen“, ist Wolfram Waldeck sehr zufrieden mit seinem beruflichen Weg. Die Kombination von pädagogischer Arbeit, die mitunter mühsam, oft aber auch sehr erfüllend war, mit den Verwaltungs- und Finanzierungsaufgaben sei für ihn genau richtig gewesen, sagt er.

Quer durch Norwegen

Doch jetzt findet Waldeck es sehr verlockend, einen nicht mehr komplett durchgetakteten Alltag leben zu müssen, öfter mal aus dem Bauch heraus entscheiden zu können und mehr Zeit für seine Musik, für die Enkel, das Wochenendhaus oder für große Touren zu haben. „Vielleicht laufe ich quer durch Norwegen“, überlegt Waldeck. „Mal sehen, was mir so einfällt.“

Von Christine Zacharias

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