Montagsinterview zum Schulbeginn: Bernd Schmelz plädiert für Förderung und Werte

Kinder brauchen mehr Zeit

Seit Januar Vorsitzender des Kreiselternbeirats: Bernd Schmelz. Foto: nh

Hersfeld-Rotenburg. Heute beginnt nach sechs Wochen Sommerferien wieder die Schule für fast 12 000 Jungen und Mädchen allein an den allgemeinbildenden Schulen des Kreises Hersfeld-Rotenburg, darunter 1079 ABC-Schützen. Solange die Schüler minderjährig sind, gibt es Elternvertreter, die sich um viele Belange rund um die Schule kümmern. Vorsitzender dieses Elterngremiums auf Kreisebene ist Bernd Schmelz.

Erinnern Sie sich an Ihren eigenen ersten Schultag? Mit welchem Gefühl sind Sie damals in die Schule gegangen?

Bernd Schmelz: Ich war sehr aufgeregt und unsicher. Weil ich zur Einschulungsfeier noch zur Kur war, bekam ich als Einziger meine Zuckertüte am ersten richtigen Schultag.

Kinder leiden heute schon in den Grundschulen unter dem Leistungsdruck. Was läuft da falsch?

Schmelz: Eltern haben oft schon bei der Einschulung klare Vorstellungen, welchen Schulabschluss das Kind einmal erreichen soll. Schulen stehen unter Druck, weil es landesweite Vergleichstests gibt und die Anzahl der Schüler über die Ausstattung mit finanziellen Mitteln und Lehrerstunden entscheidet. Kinder sollten Zeit bekommen, sich individuell zu entwickeln, zu lernen und Kompetenzen zu erwerben.

Häufig wird von Elternseite der Stress in den G8-Klassen kritisiert. Was müsste sich da ändern?

Schmelz: Die Verkürzung der Schulzeit müsste einhergehen mit einer Reduktion und Restrukturierung der Lerninhalte und Methoden. Auch G8-Schüler müssen Zeit haben für ihre Hobbys, Vereine, Freunde und Familie.

Was halten Sie von der Inklusion, das heißt dem gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern? Können die Schulen den gemeinsamen Unterricht mit nur wenigen Stunden mit zusätzlichem Personal leisten?

Schmelz: Die Idee „Inklusion“ an sich ist sehr positiv. Die Planungen für die Umsetzung sind jedoch absolut unzureichend. Die Schulen können dieses Thema natürlich nicht mit den wenigen geplanten Stunden oder Mitteln leisten. Inklusion ist aber nicht nur ein Thema für die Schulen, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe, die alle Bereiche betrifft. Hier müsste über einige Jahre zusätzlich umfangreich investiert werden. Inklusion lässt sich nicht anordnen, sondern muss entwickelt werden.

Was läuft gut an unseren Schulen im Kreis?

Schmelz: Die Gesellschaft verändert sich stetig. Viele Schulen in unserem Landkreis folgen dieser Entwicklung und passen ihre Organisation und Methoden diesen Veränderungen an. Soziale Kompetenzen, Werte und Regeln werden wieder stärker gefördert. Förderkurse und Arbeitsgemeinschaften bieten den Kindern ergänzende Inhalte. Mittagsverpflegung und Betreuungsangebote machen die Berufstätigkeit der Eltern einfacher.

Welche Probleme gibt es an unseren Schulen, die angepackt werden müssten?

Schmelz: Kinder verbringen mehr Zeit in den Schulen, und unsere gesellschaftlichen und sozialen Probleme nehmen hier immer größeren Raum ein. Den Lehrern fehlt oft die Zeit und die Ausbildung, diese zu lösen. Schulsozialarbeit und Schulpsychologen leisten hier wertvolle Arbeit. Diese müsste stärker in den Schulen etabliert werden. Und: Die Lehrerstunden an den Schulen reichen oft nur für den Basisbetrieb. Krankheiten, Fortbildungen und Verwaltungsaufgaben führen zu Unterrichtsausfall, fachfremder Betreuung oder aus Nachbarklassen beaufsichtigter Beschäftigung statt eigentlichem Unterricht. Die Schulen bräuchten hier mehr Unterstützung, um Unterricht gewährleisten zu können.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Schmelz: Ich möchte mehr Eltern motivieren, sich in der Elternarbeit zu engagieren. Unser Bildungssystem verändert sich sehr schnell, und wir müssen die Interessen unserer Kinder vertreten. Der Kreiselternbeirat arbeitet eng mit dem Staatlichen Schulamt und dem Landkreis als Schulträger zusammen. Gerne unterstützen und beraten wir Eltern und vor allem Elternbeiräte bei Fragen oder Problemen an ihren Schulen.

Kontakt: E-Mail KEB-HEF-ROF@gmx.de

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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