Eine Stunde auf Lolls: Die Geschwister Wynohradnyk öffnen ihren Mandelverkauf

Kerniger Dauerbrenner

Wiener Mandeln nonstop: Uwe Wynohradnyk steht den ganzen Tag am Kupferkessel und brennt Mandeln.

Bad Hersfeld. Das Wasser zischt im heißen Kupferkessel. Eine Dampfwolke verbreitet den Duft von Karamell rund um den Wagen. Uwe Wynohradnyk schüttet die vorgerösteten Mandeln dazu. Jetzt dauert es nur noch ein paar Sekunden, bis sie ihre knackige, glänzende Kruste haben.

Kurz nach 10 Uhr. Am Wagen der Geschwister Wynohradnyk in Sichtweite des „Fierche“ sind erst seit einer halben Stunde die Läden geöffnet. Es ist der erste Brand des Tages. Ab jetzt bis zum Betriebsschluss um 23 Uhr wird Uwe Wynohradnyk ohne Pause Mandeln brennen. Die Kunden sollen immer frische Ware bekommen, und für Stoßzeiten muss vorgesorgt sein. „Der Mittwoch mit dem Dippenmarkt ist einer unserer umsatzstärksten Tage im Jahr“, sagt der Schausteller.

Etwa zehn Minuten dauert ein Brand. Das ergibt etwa drei Kilo Wiener Mandeln. Ganz genau weiß das Uwe Wynohradnyk nicht. Er wiegt nie ab. Die richtige Menge Mandeln, Zucker und andere, geheime Zutaten hat er im Gefühl.

Jeden Tag wird gekratzt

Am anderen Ende des Wagens ist seine Schwester Viola noch dabei, die Popcornmaschine zu reinigen. Jeden Morgen rückt sie ihr mit Scheuerschwamm und einem Stechbeitel zu Leibe. Sie klettert auf einen kleinen Tisch, um von oben die verbrannte Zuckerkruste abzukratzen. Sonst würde das Rührwerk im Laufe des Tages verkleben. „Das kann den Motor ruinieren“, sagt Viola Wynohradnyk.

Allein schon wegen der Popcornmaschine braucht der Wagen einen stärkeren Stromanschluss. „Die Leute fragen immer, ob wir hier ein kleines Karussell betreiben“, erzählt Uwe Wynohradnyk und lacht.

Genauso wie er Mandeln brennt, produziert seine Schwester unentwegt Popcorn. In Bad Hersfeld ist Schokopopcorn besonders beliebt. Anders als im Rest der Republik, wo die Variante nur mit Zucker unumstrittener Publikumsfavorit ist. Nur buntes Popcorn gibt es bei den Wynohradnyks nicht. „Ich würde da nie Farbstoff dran machen“, sagt Viola Wynohradnyk. „Das hat doch nichts mit natürlichen Zutaten zu tun.“

Die Wynohradnyks kommen aus Alzey bei Mainz. Die Eltern kamen schon Mitte der Fünfzigerjahre zu Lolls. Ihre Mitarbeiter rekrutieren sie immer vor Ort. Elke Heß ist seit neun Jahren dabei. Die Aushilfe putzt die Glasscheiben vor dem Wagen. Mit dem Fingernagel kratzt sie einen hartnäckigen Karamellspritzer weg. Ihre junge Kollegin Nadine Heinen wischt den Boden. Der Dampf der Maschinen verteilt den Zucker überall.

Die Mitarbeiterinnen packen Portionen von Magenbrot und von den zwölf verschiedenen Nuss- und Mandelsorten in bunte Tütchen. Die ersten Kunden kommen vorbei und freuen sich über die frischen Mandeln. „Wir machen immer morgens klar Schiff“, sagt Viola Wynohradnyk. „Da sieht man mehr.“ Das dauert eine gute Stunde. Dann geht es richtig los.“

Von Marcus Janz

Kommentare