250 Dinge, die wir an der Region mögen (82): Wochenmarkt in Bad Hersfeld

Kennen und vertrauen

Das reiche Angebot an frischen Lebensmitteln, Blumen und Pflanzen auf dem Bad Hersfelder Wochenmarkt wird von zahlreichen Stammkunden geschätzt. Foto: Urban

BAD HERSFELD. Vielfalt, Frische, Qualität und das Gespräch mit dem Erzeuger locken jeden Dienstag und Freitag die Kunden zum Wochenmarkt in die Lullusstadt. Spargel und Rettich aus Thüringen liegen neben Mangos und Ingwer, Bio-Brot aus dem Spessart und frisch gepresste Öle aus Nentershausen gibt es genauso wie Käse aus dem Vogelsberg, aus den Alpen oder vom Mittelmeer.

„Sind die von Steinfurt wieder da mit Rosen?“ Eine Frau schaut sich suchend um. Tulpen, Stiefmütterchen und Ranunkeln, Kräutertöpfe und Salatstecklinge reihen sich aneinander. Momentan bieten die Händler auf dem Linggplatz alle Pflanzen und Blumen an, die für Garten- und Balkonbepflanzung gesucht werden oder Frühlingsfrische ins Haus bringen. Je nach Saison passen sie ihr Sortiment an. Und wenn etwas fehlt, wird es beim nächsten Mal mitgebracht.

„Ich habe zu 80 Prozent Stammkunden“, erzählt Jürgen Hassebrauck. Der Gärtner begrüßt eine Kundin mit Handschlag. Sie kauft regelmäßig bei ihm, wohnt in der Nähe, und als sie krank war, hat er sie auch schon beliefert. „Bis minus fünf Grad bin ich hier“, sagt der Obersuhler, „dann wird es zu kalt für die Pflanzen. Im Januar und Februar komme ich meist nur drei- bis viermal.“ 1975 übernahm er den elterlichen Betrieb und damit auch den Standplatz, den sein Vater seit 1955 inne hatte. Besonders nach dem Krieg waren die Städter froh über das Angebot auf dem Markt. Sie hatten sonst oft keine Möglichkeit, frisches Obst und Gemüse zu bekommen. „Damals war der Markt noch da oben“, erinnert sich Hassebrauck und zeigt Richtung Parkflächen. 1976, nach der Erweiterung der Fußgängerzone, zog der Wochenmarkt vom oberen Marktplatz auf den Linggplatz um.

Obwohl sich der Bad Hersfelder Wochenmarkt aus dem „Dippenmarkt“ entwickelt hat, ist er traditionell ein „Grüner Markt“. Bis zu 40 Beschicker verkaufen ausschließlich frische, hochwertige Lebensmittel, Blumen und Pflanzen, deren Qualität regelmäßig vom Amt für Lebensmittelüberwachung und Verbraucherschutz kontrolliert wird. Mit Ausnahme von Lullusfest oder Weihnachtsmarkt findet der Markt das ganze Jahr über regelmäßig statt und ist noch nie ausgefallen. Fällt ein Markttag auf einen gesetzlichen Feiertag, wird der Wochenmarkt auf den vorhergehenden Wochentag vorgezogen.

Der laue Wind weht den Duft von Stracker heran. Vor dem Wurststand hat sich eine Schlange gebildet. Bis in die 1950er-Jahre boten die Metzger auf der Zufahrt zur Festspielkantine frisches Fleisch an. Heute verkauft ein Fischhändler im Schatten der Stadtbibliothek frischen Fisch. Gegen 13 Uhr räumen die ersten Anbieter ihre Stände auf. In einer halben Stunde schließt der Markt. Am Eierstand bedankt sich eine Kundin für die Aufbewahrung ihrer Einkaufstasche und verabschiedet sich „bis nächste Woche“. Man kennt sich auf dem Wochenmarkt und man vertraut sich.

Von Dagmar Urban

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