Abschluss der Theatersaison 2010/2011 mit der Operette „Im weißen Rössl“

Kellner ist auch ein Mensch

Das spielfreudige Ensemble, zu dem auch noch Piccolo (Daniel-Erik Biel) und das Stubenmädchen (Robina Steyer) gehören, läuft in verzwickten, witzigen Szenen zur Hochform auf. Foto: Schmidl

Bad Hersfeld. Die unvorteilhafte Miederhose, die unterm drolligen Dirndl von Josepha Vogelhuber (Ulrike Krone) als echter Liebestöter hervorblitzt, stört den Zahlkellner Leopold (Wolf H. Latzel) offensichtlich nicht. Bis über beide Ohren ist er in die resolute Rössl-Wirtin verliebt. Die beiden sind die Hauptpersonen der Operette „Im weißen Rössl“ aus der Feder von Ralph Benatzky, mit der die „Junge Kammeroper Köln“ unter der Regie von Holger Pototzki zum Saisonabschluss in der ausverkauften Stadthalle gastierte.

Mit außergewöhnlicher Spielfreude eröffnete sie einen unkomplizierten und unmittelbaren Zugang zur Welt des Musiktheaters für alle Altersgruppen. Zu ihrem vielseitigen Programm gehören auch theaterpädagogisch begleitete Kinderopern und zumindest im ersten Akt glaubte so mancher Operettenliebhaber, nicht der richtigen Altersklasse anzugehören.

Das eingespielte Ensemble zauberte eine Operettenrevue mit Esprit, Tempo und einer gehörigen Portion Ironie auf die Bühne, von der sich das Publikum spätestens im zweiten Akt begeistern ließ. Erfrischend anders präsentierte es die turbulente Geschichte rund um das Hotel „Im weißen Rössl“ am Wolfgangsee und seinen Gästen.

Publikumsliebling Wilhelm Gieseke (Bernhard Dübe) erheiterte mit Berliner Schnauze, der schöne Sigismund (Tim Klaski), der sich in das lispelnde Klärchen (Lisa Laccisaglia) verliebt, überzeugte trotz Halbglatze. Klärchens Papa Professor Hinzelmann (Volker Hein) gehörte ebenfalls zu den originellen Charakteren, die für ausgelassene Stimmung sorgten.

Eingängige Melodien

Dazu die eingängigen Melodien, die jeder mitsummen kann: „Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden“, „Die ganze Welt ist himmelblau“, „Mein Liebeslied muss ein Walzer sein“ gehören zu den Dauerbrennern, die vom Kammerorchester der Kölner Symphoniker unter der Leitung von Daniel Kirchmann einfühlsam begleitet wurden. Stimmlich konnten nahezu alle Sängerinnen und Sänger überzeugen, auch Katie (Janina Burgmer), die sangesfreudige Postbotin. Gesanglich ein wenig schwach auf der Brust dagegen Dr. Otto Siedler (Sean Breen), der Angebetete der Rössl-Wirtin. Der wiederum verliebt sich in Ottilie Gieseke (Elisa Fenner), der ihr großer Teddy Apollo die Schau stiehlt.

„Zuschaun kann i net“, bekundet mehrfach der verschmähte Zahlkellner Leopold, „der ja auch nur ein Mensch ist“. Ausgerechnet Kaiser Franz Joseph I. öffnet Josephina die Augen für die wahre Liebe. Die Suche nach der einen oder dem einen „Richtigen“ wurde am Ende eines kurzweiligen Abends mit begeistertem, lang anhaltendem Applaus und Jubel belohnt.

von Gudrun Schmidl

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