Gundula Pohl betreut seit 15 Jahren Flüchtlinge im Landkreis Hersfeld-Rotenburg

„Keiner verlässt Heimat freiwillig“

Hersfeld-Rotenburg. Seit 15 Jahren arbeitet Gundula Pohl mit ausländischen Flüchtlingen. Für den Zweckverband für Diakonie berät die 44-Jährige Asylbewerber in den Kirchenkreisen Hersfeld und Rotenburg – in den Räumen der Diakonie, aber auch vor Ort in den Gemeinschaftsunterkünften.

Bei ihrer Arbeit hat Pohl mit drei „Fallgruppen“ zu tun: Zum einen gibt es diejenigen, deren Asylverfahren noch gar nicht aufgenommen wurde, weil die Zuständigkeit nicht eindeutig geklärt ist. „Die europäische Flüchtlingspolitik ist sehr komplex und von politischen und aktuellen Gegebenheiten abhängig“, fasst Pohl zusammen. Dann gibt es diejenigen, deren Asylverfahren bereits läuft, und die Beratung oder Hilfe bei der Diakonie suchen. Und schließlich jene, deren Verfahren zwar beendet ist, die aber zum Beispiel noch Unterstützung bei der Wohnungssuche benötigen. Im Falle einer Antragsablehnung, kann die Diakonie auch eine Klage finanziell unterstützen.

Permanente Unsicherheit

„Wer sich in einem Asylverfahren befindet, lebt eigentlich in permanenter Unsicherheit, die Angst vor der Abschiebung ist ständig da, außerdem sind Asylbewerber häufig isoliert“, weiß Gundula Pohl. Nicht zuletzt seien viele ihrer „Klienten“ durch die Flucht oder ihre Erlebnisse im Herkunftsland traumatisiert. „Man muss sich immer klarmachen, in der Regel verlässt niemand sein Land freiwillig.“

Im ersten Jahr dürfen Asylbewerber keine Erwerbstätigkeit aufnehmen, im zweiten Jahr haben sie einen „nachrangigen Zugang zum Arbeitsmarkt“, das heißt: Arbeiten kann, wer etwa keinen deutschen Arbeitnehmer „verdrängt“. Ein genereller Zugang zum Arbeitsmarkt besteht bei geduldeten Personen erst nach vier Jahren.

Für alle Asylberwerber gilt außerdem die Residenzpflicht. Wer seinen Bezirk verlassen möchte, muss dies zuvor bei der örtlichen Ausländerbehörde genehmigen lassen. Für Pohl ist das vor allem ein „Abschreckungsinstrumentarium“. Einen Antrag auf Abschaffung der Residenzpflicht haben jüngst die Grünen im Kreistag gestellt. Sie kritisierten, dass die Residenzpflicht Arzt- und Familienbesuche, die Teilnahme an Sportveranstaltungen oder Klassenreisen erschwere, die Integration behindere und Bildungsmöglichkeiten beschneide.

Lobend erwähnt werden von Gundula Pohl die Bemühungen des Kreises, Asylbewerber in Sprachkursen unterzubringen. „Wir müssen ihnen die Möglichkeit geben, hier Fuß zu fassen. Da sind Sprachkenntnisse wichtig.“ Nichts-Tun fördere außerdem Probleme. In den Gemeinschaftsunterkünften leben immerhin viele Menschen, meist junge Männer, aus verschiedenen Nationen, Kulturkreisen und politischen Lagern auf engstem Raum zusammen.

In den 15 Jahren ihrer Tätigkeit ist Pohl schon mit vielen traurigen Geschichten konfrontiert worden, aber immer wieder auch mit Dankbarkeit und Erfolgserlebnissen. (nm)

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