Vergewaltigung eines Kindes: Gericht verdoppelt Antrag des Staatsanwalts

Keine Zweifel am Opfer

bad Hersfeld. Wenn zwei im Bett miteinander zugange sind, dann geht das normalerweise niemanden etwas an. Wenn aber Gewalt und Kinder mit im Spiel sind, dann wird das Private öffentlich, und der Staat greift ein.

„Schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes“ lautete denn auch der Vorwurf gegen ein 23-Jährigen aus einer Nachbargemeinde von Bad Hersfeld, der im Februar 2007 bei sich zu Hause seine damals erst 13 Jahre alte Freundin vergewaltigt haben sollte.

Tatzeugen hatte es keine gegeben, so dass sich das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richter Dr. Rolf Schwarz auf der Suche nach der Wahrheit vor allem auf die Angaben des Opfers, auf polizeiliche Vernehmungen sowie auf Hörensagen aus der Schule und dem Freundeskreis stützen musste.

Ein schwieriges Unterfangen, wie sich während dreier Verhandlungstage herausstellte. Denn der Angeklagte schwieg, und sein Verteidiger, der Bad Hersfelder Anwalt Klaus Königshof, versuchte, die Glaubwürdigkeit des Opfers in Frage zu stellen.

Tatsächlich war die Beweislage mangels harter Indizien interpretierbar. War der Vergewaltigungsvorwurf also nur ein Racheakt dafür, dass der junge Mann seine Freundin unfein abserviert hatte? Oder war die Geschichte in einem Kreis pubertierender Mädchen, in der die Spanne zwischen bester Freundin und gnadenlosem Mobbing nicht groß war, gnadenlos aufgebauscht worden? Widersprüchliche Aussagen der jugendlichen Zeuginnen und eine Lehrerin mit enttäuschend schwachem Gedächtnis schienen der Verteidigung die Sache leicht zu machen.

Doch aus den stockenden, erst nach und nach erfragten Angaben der heute 16-Jährigen bezog das Gericht am Ende die Überzeugung, dass es so gewesen war, wie das völlig aufgelöste Mädchen den Vorfall schilderte (übrigens unter Ausschluss der Öffentlichkeit).

Auch eine Polizistin und ihr für Jugendsachen zuständiger Kollege hatten keine Zweifel daran, dass das, was ihnen das Opfer erzählt hatte, der Wahrheit entsprach.

„Es gibt keine Hinweise auf eine bewusste Falschaussage“, stellte Staatsanwalt Stephan Müller-Odenwald fest und beantragte sechs Monate Jugendstrafe auf Bewährung.

Das hielt Rechtsanwältin Margrit Guy als Vertreterin der Nebenklage für etwas zu wenig, was offenbar auch der Einschätzung des Gerichts entsprach: Ein Jahr Freiheitsentzug lautete das Urteil. Die Vollstreckung der Strafe wird jedoch für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Zusätzlich wurden 100 Stunden gemeinnützige Arbeit verhängt.

Die Verteidigung hatte konsequenterweise Freispruch gefordert. In seinem Schlusswort hatte der Angeklagte lediglich bedauert, dass er „so fies Schluss gemacht“ habe.

Von Karl Schönholtz

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