Interview mit Holk Freytag: Deutliche Worte über die Festpiel-Querelen

Keine Zeit für Machtspiele

Intendant Holk Freytag mit den sogenannten Strichfassungen, also den Textbüchern, für die sechs Festspielproduktionen. Im Hintergrund hängen Fotos der Schauspieler des aktuellen Ensembles. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Vor der Intendanz im Stiftsbezirk proben die Drei Musketiere mit ihren Degen das Fechten. Zwei Stockwerke höher, im Büro von Intendant Holk Freytag, wird mit Worten gefochten. Doch die können auch sehr hart treffen, wie Karl Schönholtz und Kai A. Struthoff erfuhren.

Der NBL-Stadtverordnete Micheal Bock hat Sie unlängst scharf kritisiert und damit pünktlich zum Probenbeginn eine neue politische Diskussion um die Festspiele eröffnet. Hätten Sie sich in dieser Situation mehr Rückhalt von Bürgermeister Fehling erwünscht?

Holk Freytag: Ja.

Die atmosphärischen Störungen zwischen Ihnen und dem Bürgermeister sind offenbar groß?

Freytag: Atmosphärische Störungen kann es nur geben, wenn es eine Atmosphäre gibt.

Wünschen Sie sich Bürgermeister Boehmer zurück?

Freytag: Ich denke gern an die Zusammenarbeit mit Hartmut Boehmer zurück.

Sind Sie aber nicht auch selbst Schuld an den Differenzen? Ihre neuerliche Einladung an den Dresdner Kreuzchor kann man doch nur als Provokation werten?

Freytag: Das ist eine Frage der Definition: Ich darf wegen des Vertrags mit dem Arbeitskreis für Musik (AfM) keine Konzerte in der Stiftsruine veranstalten. Aber der Kreuzchor gibt auch kein Konzert, sondern es ist eine Feier zum Thema Demokratie, bei der auch der Philosoph Adolf Muschg eine Rede hält. Das Thema Demokratie beschäftigt mich zutiefst und hat auch viel mit dem Auftrag der Festspiele zu tun. Wenn der Vertrag mit dem AfM so eng ausgelegt wird, dürfte es auch keine gregorianischen Gesänge im Namen der Rose geben.

Gleichwohl ist das auch eine Provokation, oder?

Freytag: Ich provoziere gern mit Inhalten, aber nicht mit solchen Dingen – erst Recht nicht, wenn es dabei um den weltberühmten Dresdner Kreuzchor geht. So wichtig ist mir auch der AfM nicht. Mir geht es um inhaltliche Fragen. Deshalb hätte ich auch erwartet, dass sich die Stadt hinter diese Veranstaltung stellt. Adolf Muschg und der Kreuzchor – das ist eine Sensation!

Die politische Diskussion dreht sich auch um das Marketing für die Festspiele. Der Vertrag mit der Hamburger Agentur Eskom wird nicht verlängert. Kritiker sagen, die Agentur habe nicht viel erreicht?

Freytag: Wir haben zwei Jahre sehr vertrauensvoll, harmonisch und auch nicht ohne Erfolg zusammengearbeitet. Ein Zusammenhang zwischen den Besucherzahlen und dem Marketing ist nicht überprüfbar. Die Agentur hat Plakate und das Erscheinungsbild der Festspiele gestaltet, aber vor allem für mich auch viele politische und wirtschaftliche Kontakte hergestellt und gepflegt. Sie haben mir aber auch den Nathan-Darsteller Stefan Schad vermittelt.

Aber die erhofften großen Sponsoren hat Eskom für die Festspiele nicht akquirieren können?

Freytag: Eskom hat überhaupt erstmal eine Struktur ins Sponsoring gebracht. Da gab es vorher nämlich nichts. Woher auch, denn es gibt dafür keinen Verantwortlichen in der Stadtverwaltung. Aber ich muss selbstkritisch einräumen, dass wir die schnellen Erfolgsmöglichkeiten im Sponsoring-Bereich überschätzt haben. Dieses Geschäft ist gerade in dieser Region hart. Deshalb braucht man einen langen Atem.

Nun ist die Agentur aber weg. Wie geht es weiter?

Freytag: Es soll eine neue Agentur engagiert werden, die aber nur für die grafische Gestaltung zuständig sein soll. Dieser Auftrag wird jetzt ausgeschrieben. Die Arbeit von Eskom ging aber weit darüber hinaus. Jetzt gibt es viele offene Fragen, wie es weiter geht.

Die Stadt will offenbar auch die Zuständigkeiten für die Festspiele neu ordnen und beim Spielplan mitreden?

Freytag: In meinem Vertrag steht ganz eindeutig, dass die alleinige Verantwortung für den Spielplan beim Intendanten liegt.

Angesichts dieses politischen Störfeuers – haben Sie schon mal daran gedacht, Ihren Vertrag zu kündigen?

Freytag: Mehrfach. Aber ich will ganz deutlich sagen: Mein Herzblut steckt in diesen Festspielen, und ich habe hier in der Stadt und der Region ganz tolle Leute kennengelernt. Auch im Ensemble ist die Stimmung gut. Ich beanspruche jetzt aber auch für uns, dass wir in Ruhe gelassen werden mit diesen ganzen Querelen. Wir sind dafür angestellt, hier tolle Festspiele zu machen. Für Machtspiele haben wir keine Zeit.

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